Ein kurzer Tauchgang in die linguistische Logik von Tsunamis, Emojis und Sushis

Schon seit ihrer Erfindung vor fast 20 Jahren rufen Emojis Begeisterung auf der ganzen Welt hervor. Heute ist es manchmal schwer vorstellbar, wie man jemals ganz ohne Emojis in einer Nachricht den richtigen Tonfall treffen konnte – und wie die Welt überhaupt aussah, als man noch nicht überall Emoji-förmige Kissen und Ballons kaufen konnte.

Zu Ehren des heutigen Welt-Emoji-Tages widmen wir uns also einer höchst relevanten aktuellen Frage, die etwas an die “der/die/das Nutella”-Debatte erinnert – nämlich: Heißt die Mehrzahl des Wortes “Emoji” auch “Emoji” oder doch eher “Emojis”?

woman holding balloons
Photo by Lidya Nada / Unsplash

Um der Frage auf den Grund zu gehen muss man zurück zum Ursprung des Wortes. Dieser liegt natürlich im Japanischen, denn Japan ist das Herkunftsland der bunten Symbole. Beim Wort “emoji” handelt es sich um eine Zusammensetzung aus “e” – “Bild” und “moji” – “Schriftzeichen”. Da japanische Nomen im Singular und Plural normalerweise gleich bleiben, ist der japanische Plural für das Nomen “emoji” auch “emoji”. Sollte man der japanischen Sprache hier treu bleiben?

Linguisten argumentieren, dass Wörter, die aus einer Sprache in eine andere übertragen werden, dieser neuen Sprache auch immer angepasst werden. Durch diese Anpassung kommt es zu unterschiedlichen Pluralformen von Wörtern, die eigentlich dieselbe Sprache zum Ursprung haben: Tsunami wird zu Tsunamis, aber Sushi bleibt auch in der Mehrzahl noch Sushi. Immer wenn die grammatikalische Form der Ausgangssprache erhalten bleibt, scheint eine klare kulturelle Bindung zu bestehen: Sushi ist ein unbestreitbar japanisches Essen, Tsunamis hingegen sind kein allein japanisches Phänomen, und dadurch nicht an ein Land und seine Sprache gebunden. Bei Emoji(s) lässt sich also eine ähnliche Schlussfolgerung ziehen: Die kleinen Bildchen haben ihren Ursprung zwar in Japan, werden aber weltweit verwendet. Somit ist es völlig in Ordnung, und vielleicht sogar besser, von “Emojis” zu reden. “Sushis” hingegen sollte und wird kein gebräuchlicher Plural werden.

blue and yellow Fun eon signage turned on
Photo by Yasmin Dangor / Unsplash

Wer ein ganz anderes Problem hat und dringend noch neue Emojis benötigt, kann dies übrigens auch beeinflussen. Unicode ist offen für Vorschläge. So wurde zum Beispiel das Avocado-Emoji im Jahr 2016 hinzugefügt, nachdem überzeugende Vorschläge bei Unicode eingingen. (Zu Zeiten, in denen Avocado-Toast zum ultimativen Trend-Essen wurde, war die Einführung dieses Symbols natürlich auch unumgänglich.) Die formalen Bedingungen für die Einreichung eines Emoji-Proposals und – teilweise ziemlich unterhaltsame – Beispiele für erfolgreiche Vorschläge aus der Vergangenheit findet ihr hier.

Heute am World Emoji Day wird es beim Small Talk in der Mittagspause sicher um nichts anderes gehen, also nutzt eure Chance mit spannenden Emoji Facts zu glänzen und berichtet euren Freunden und Kollegen von der Emoji(s)-Debatte … oder reicht direkt ein eigenes Emoji-Proposal ein.