— Voraussetzung für jeden Übersetzer

Interkulturelle Kompetenz wird im Zeitalter von Globalisierung und Migration immer wichtiger. Sie ist für nahezu jeden relevant, ob für einen Manager in der Betriebsleitung, einen Ingenieur, der im Ausland sein neues Projekt vorstellt, oder einen Übersetzer. Auch in Alltagssituationen benötigt jeder in der multikulturellen Welt die Fähigkeit mit Mitgliedern anderer Kulturkreise zu kommunizieren. Zu den Teilkompetenzen gehören drei grundlegende Faktoren: das Wissen über die andere Kultur, Interesse an und Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Kulturen und der Einsatz wirkungsvoller Konfliktlösungsstrategien.

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Interkulturelle Kompetenz als Basis einer gelungenen Übersetzung

Die Arbeit eines Übersetzers beschränkt sich nicht nur auf das Übertragen von Informationen von einer Sprache in die andere. Ein wichtiger Bestandteil beim Übersetzen ist die interkulturelle Kompetenz. Redewendungen, Sitten und Bräuche, aber auch kulturelle Unterschiede sind zu beachten und richtig zu transformieren — darauf kommt es besonders an. So hängen oft Gestik und Mimik von der jeweiligen Kultur ab: In den meisten Ländern der Welt schüttelt man bei „Nein” den Kopf und nickt bei „Ja”. Es gibt aber auch Länder, in denen es anders gemacht wird. In Indien beispielsweise, gilt das seitliche Wackeln mit dem Kopf als Zustimmung. Beim Übertragen der Botschaft der einen Sprache in die andere ist auch die Bedeutung der Farbe zu berücksichtigen. Manche Farben haben in verschiedenen Gesellschaften und Nationen oft sehr unterschiedliche Bedeutungen. So kann die Farbe „rot“ in Deutschland für Liebe, Ärger, Feuer und Gefahr stehen. In Russland dagegen steht es hauptsächlich für etwas Wertvolles und Teures. Besonders wenn bei Literaturübersetzungen Farbmetaphern verwendet werden, muss der Übersetzer die Bedeutung besonders hinterfragen. In bestimmten Kulturkreisen unterscheiden sich die Wortassoziationen. Ein Treppenhaus im Deutschen ist eben ein Treppenhaus: Teil eines Hauses, in dem sich die Treppe befindet. Im Russischen dagegen assoziiert man dieses Wort (pod’est) mit einem mehrstöckigen Hochhaus. Je nach Kontext wird mit einem Treppenhaus Gemütlichkeit assoziiert (Erinnerungen an die Jugend, wenn man auf der Treppe mit seinen Freunden sitzt) oder im Gegenteil, man stellt sich ein heruntergekommenes Treppenhaus vor, in dem es kalt und ungemütlich ist. Wichtig hierbei ist, dass der Übersetzer auf diese kulturellen Unterschiede achtet. Hinzu kommt, dass religiöse Überzeugungen, Umgangsformen, Werte und Normen in einer anderen Kultur ganz anders aussehen können, die man bei der Übersetzung immer im Hinterkopf behalten sollte. Wenn Mitglieder zweier, unterschiedlicher Kulturen miteinander kommunizieren, kann es in manchen Situationen zu Fehlinterpretationen und Missverständnisse kommen. Besonders ist das festzustellen, wenn ironische Äußerungen vom Sprecher verwendet werden. Daher muss bei der Übersetzung besonders auf solche Sprachsignale eingegangen werden. Eine sprachlich kulturelle Konvention muss gegebenenfalls in eine möglicherweise andere Konvention übertragen werden.

Welche Trainingsprogramme zur interkulturellen Kompetenz

Interkulturelle Kompetenzforschung gibt es seit etwa 50 Jahren. Es ist ein relativ neues Forschungsgebiet. Die zunehmende Globalisierung erfordert in wirtschaftlichen Unternehmen immer mehr interkulturelle Kompetenz. Ob in multinationalen Unternehmen, politischen Verhandlungen, bei Dolmetscheinsätzen oder in Migrationsbehörden: „Trainer für Interkulturelle Kompetenz“ sind gefragter denn je. Dazu werden von verschiedenen Organisationen, mittlerweile auch von Unternehmen Trainings und Seminare veranstaltet. Die Trainingsmethoden sind unterschiedlich: Der Coach erzählt beispielsweise von seinen eigenen Erfahrungen im Ausland, bestimmte Situationen werden analysiert, Szenen nachgespielt und anschließend werden passende Handlungssstrategien in Konfliktsituationen, wie z.B. bei Missverständnissen ausgearbeitet. Die Inhalte interkultureller Trainings zielen darauf ab, entweder im Allgemeinen für interkulturelle Situationen zu sensibilisieren (kulturallgemein), oder für eine spezifische Kultur (kulturspezifisch) auf ein bestimmtes Land bezogen, zu sensibilisieren. Zunehmend werden auch Studiengänge angeboten. In machen Universitäten mit dem Studiengang Übersetzung ist das Fach: „Interkulturelle Kompetenz“ Bestandteil des Studiums. Auch einzelne Masterstudiengänge werden vermehrt an den Universitäten wie an der PH in Karlsruhe „Interkulturelle Bildung, Migration und Mehrsprachigkeit“ angeboten.
Interkulturelle Kompetenz ist in vielen verschiedenen Bereichen präsent. Für das Dolmetschen und Übersetzen stellt es eine wichtige Kompetenz dar, wenn die Botschaft und Information der Ausgangssprache in die Zielsprache richtig übertragen werden soll. Diese Kompetenzen kann man sich vor allem durch Auslandserfahrung, bei Kontakt mit anderen Kulturen und einzelnen Erfahrungen aneignen.