1. Sprachstruktur

Besonders wenn die Ziel- und Ausgangssprache sehr komplex sind und sich beim Satzbau oder bei der Anordnung von Subjekt und Prädikat unterschiedlich verhalten, kann die Übersetzung zu einer Herausforderung werden. Ein oft erwähntes Beispiel ist die arabische Sprache, in der das subjektive Pronomen gleichzeitig Teil des Verbes ist und somit nicht nur die Tonalität des Satzes, sondern auch das Geschlecht des Subjekts bestimmt. Klingt kompliziert? Ist es auch. Außerdem unterscheiden sich viele Sprachen bei der Kasusanzahl, ein Faktor, der die Grammatik entscheidend beeinflusst. Somit gibt es im Deutschen vier Fälle, im Rumänischen fünf, die russische Sprache hat sechs grammatikalische Fälle, während Finnisch mit 15 Kasus überrascht und Ungarisch … nun ja, da scheiden sich die Geister. Vielen Muttersprachlern bleibt dieses Thema ein Buch mit sieben Siegeln. Aber egal ob nun 15, 23 oder 40 – in jedem Fall erscheint Deutsch im Vergleich dazu beinahe wie Esperanto. Erwiesenermaßen eine der einfachsten Sprachen der Welt: Tolstoi soll es innerhalb von nur vier Stunden geschafft haben, sie zu erlernen.

2. Format

Als Übersetzer in der digitalen Welt muss man weitaus mehr als nur exzellente Sprachkenntnisse vorweisen. Die Arbeit mit unterschiedlichen Tools und Softwares, die das Übersetzen unterstützen und beschleunigen, wie zum Beispiel das Benutzen von CAT-Programmen, ist zur tagtäglichen Aufgabe geworden.

Eine Sache machen alle Übersetzer aber äußerst ungern: mühsame Formatierarbeit und lästiges Nachbauen in Word. Manchmal schicken Kunden Dateien in einem komplizierten Format und es dauert ewig, bis man das gewünschte Ergebnis erhält. Das kostet viel Zeit und zählt zu einer der frustrierendsten Aufgaben, die man durchführen muss. Trotzdem muss man sich als Freelancer anzupassen wissen. Programme wie InDesign, Photoshop oder das Benutzen von Content Management Systemen wie zum Beispiel TYPO3 gehören zu den Standardfähigkeiten, die man beherrschen sollte, um sich das Leben zu vereinfachen. Ein Übersetzer ähnelt fast einem Schweizer Taschenmesser, da er für jedes Problem das richtige Werkzeug in der Tasche haben und wissen muss, wie man damit umgeht.

3. Schritt halten mit kulturellen Änderungen

Eine Sprache zu beherrschen heißt auch, die kulturellen Besonderheiten dieser Sprache zu (er)kennen. Das kann sich manchmal als schwierig erweisen, vor allem wenn man einen anderen Wohnort hat als derjenige, der die Zielsprache spricht. Besonders bei der Lokalisierung erwarten Kunden, dass man sich den Einstellungen der Leserschaft anzupassen weiß. Ein regelmäßiger Medienkonsum könnte helfen, dieses Problem zu beseitigen. Besser noch: Reisen oder sogar eine Weile in dem Land mit der gewünschten Zielsprache leben, um die Denkweise der Menschen, ihre Speisen, Redewendungen und Traditionen noch besser zu erfassen und verstehen zu können. Hier „nur“ Muttersprachler zu sein, reicht oft nicht aus und die Unterschiede zwischen mexikanischem Spanisch und dem Spanisch in Madrid sind oft gravierender, als man es vorerst erwarten würde.

4. Idiomatische Ausdrücke

Idiomatische Ausdrücke sind Wortkombinationen, die häufig etwas übertrieben klingen und sehr bildlich gesprochen sind. Dennoch weiß jeder, was sie bedeuten: „sich in die Arbeit stürzen“, „jemandem sein Herz schenken“, „auf dem Holzweg sein“ usw. Dennoch sind idiomatische Ausdrücke so eng mit der Kultur und der Oralität der Sprache verbunden, dass man sie nicht wortwörtlich übersetzen kann und meistens auch nicht darf, denn dann verlieren sie einerseits ihre Bedeutung und man macht sich andererseits sehr schnell sehr lächerlich damit.

Wir haben eine kleine Umfrage in unserem Büro gemacht und den Ausdruck „es passt wie die Faust aufs Auge“ im Sinne von „es passt überhaupt nicht“ in einige Sprachen, die bei uns im Büro gesprochen werden, übersetzt:

Rumänisch: „se potriveste ca nuca in perete” – Es passt wie die Nuss in der Wand.
Englisch: „it suits as a saddle suits a sow” – Es passt wie ein Sattel auf eine Sau.
Italienisch: „é come mettere la cravatta al maiale“ – Es ist, als würde man dem Schwein eine Krawatte anlegen.
Französisch: „ça lui va comme un tablier à une vache“ – Es steht ihm wie eine Schürze einer Kuh.

Zum Glück hatten wir Unterstützung von Muttersprachlern, denn das Übersetzen eines idiomatischen Ausdruckes in so viele Sprachen kann schnell zur Sisyphusarbeit werden.

5. Übersetzen im Team

Besonders bei sehr großen Übersetzungsaufträgen und einer knappen Deadline kann die Aufteilung der Übersetzungsarbeit auf mehrere Übersetzer eine gute Idee sein. Um die Konsistenz der Übersetzung und einen gleichbleibenden Stil im gesamten Projekt beibehalten zu können, erstellt man normalerweise Style Guides, die gelesen und berücksichtigt werden müssen. Auch hier reicht moderne Technologie uns die Hand und bietet mit einigen Innovationen Unterstützung. Einige CAT Tools, wie MATECAT oder LILT ermöglichen es, dass mehrere Übersetzer gleichzeitig an einem Dokument arbeiten und auf dasselbe Translation Memory (TM) zugreifen. Dies verwandelt die Arbeit in effizientes und erfolgreiches Team Work.

Manchmal aber kann es trotz aller noch so fortschrittlichen Technologie zu Missverständnissen zwischen den Übersetzern kommen. Die Gründe dafür sind meist einfach unterschiedlicher Stil oder persönliche Präferenzen bei der Wortwahl. Das Wichtigste bleibt in solchen Situationen, Kritik oder Anmerkungen nicht zu persönlich zu nehmen und sich als angemessener Gesprächspartner zu engagieren, um die bestmögliche Arbeit abzuliefern.

6. Networking, Networking, Networking!

Egal ob als Übersetzer, als Grafiker oder als Texter – wer freiberuflich arbeitet muss Netzwerken und zwar aktiv! Ein gut gepflegtes Netzwerk ist der Schlüssel zu wirtschaftlichem Erfolg als Freiberufler. Wer seine Beziehung zu Geschäftspartnern pflegt und hegt, erhöht seine Chancen auf Folgeaufträge ungemein. Einerseits vom gleichen Arbeitgeber, andererseits aber auch durch Mundpropaganda, denn ein glücklicher Kunde ist ein Kunde, der gerne positiv berichtet und gerne weiterempfiehlt. Aber Achtung: das gilt natürlich auch für das Gegenteil.

Ein gut gepflegtes Profil auf LinkedIn und XING sind hierbei genauso entscheidend wie der Account bei ProZ, oder anderen einschlägigen Markplätzen für Übersetzungen. Profile in digitalen Netzwerken erhöhen die Sichtbarkeit immens, sie allein sind aber noch kein Garant für eine gute Auftragslage.

Kein Like, kein Kommentar oder noch so viele Verbindungen und “Freunde” in Sozialen Netzwerken können die Verbindung, die zwei Menschen eingehen, wenn sie von Angesicht zu Angesicht ein Lächeln teilen, ersetzen. Daher gilt auch hier die Prämisse: raus in das echte Leben und rein in die Messen, Kongresse, Events, Stammtische und Podiumsdiskussionen. Als Freiberufler ist man vorallem auch Markenbotschafter und Verkäufer seines eigenen Schaffens. Und nur wenn man selbst von dem überzeugt ist, was man tut, schafft man es, auch andere davon zu begeistern.

Ein Account als Übersetzer bei lengoo kann eine gewisse Konstanz in die Auftragslage bringen und ohne viel Akquisearbeit für Jobs sorgen – denn bei lengoo landen die Übersetzungsjobs direkt in der e-Mail Inbox. Hier findest du mehr Informationen über unseren Bewerbungsprozess als Übersetzer bei lengoo.