Als Freelancer hat man den Vorteil, von überall dort, wo man einen Internetanschluss hat, arbeiten zu können. Doch wie funktioniert das, wenn man nicht von zu Hause aus, von der Bibliothek oder dem Lieblingscafé, sondern einfach überall auf der Welt arbeiten möchte? Kurz gesagt, wie kann man reisen und gleichzeitig arbeiten?

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Photo by Patrick Hendry / Unsplash

Viele haben das schon gemacht. Die Suche nach dem Abenteuer oder der unstillbare Durst danach, Neues zu entdecken, haben sie dazu getrieben, auf eine große Reise zu gehen. Viele machen es nach dem Abitur, nach dem Studium oder im Ruhestand, wenn man genügend Zeit und Geld hat, um in das Unbekannte zu investieren. Andere erfüllen sich diesen Traum nie, weil sie von anderen Dingen eingeholt werden, die schnell die Prioritätensetzung im eigenen Leben verändern können – ein Kind, eine neue Beziehung, ein Eigenheim – You name it. Und zugegebenermaßen ist der Schritt raus aus der eigenen Komfortzone ein Wagnis das, ähnlich wie der Schritt in die Selbstständigkeit, einfach nicht für jeden gemacht ist. Beide verlangen einem viel Mut und Risikofreude ab, die zu der besten Entscheidung des Lebens, genauso aber auch zu einer frustrierenden Erkenntnis führen können – in jedem Fall aber erweitert sich der eigene Horizont exponentiell! Bevor man jedoch seinen fliegenden Teppich mit Laptop und Gepäck sattelt und einfach abhaut in die Ferne, sollte man einige grundlegende Dinge beachten.

Welche Arbeit?

Schon klar – als Chefarzt eines Krankenhauses wird es schwieriger, die Welt zu bereisen und gleichzeitig Karriere zu machen. Zum Glück gibt es tausende andere Möglichkeiten, zeit- und ortsunabhängig Geld zu verdienen – wie zum Beispiel als Übersetzer bei lengoo, als Programmierer, Grafik- und Web Designer, Blogger, Copy Writer, Social Media Manager und viele, viele weitere Berufe. Das Hauptkriterium für diese Jobs ist eine gute Internetverbindung und ein großes Netzwerk an Kunden, für die man regelmäßig Aufträge erledigen kann. Klingt bekannt? Dann seid ihr auf der richtigen Seite.

Wo werde ich wohnen?

Airbnb ist der wahrscheinlich einfachste Weg, Unterkünfte überall auf der ganzen Welt zu finden. Das Schönste daran ist die unglaubliche Vielseitigkeit – soll es die Höhle im Süden Spaniens sein, oder eine Hütte im türkischen Gebirge, ein Haus im Dschungel oder vielleicht doch lieber eine Künstlerwohnung im 42. Stock in Tokyo? Alternativ sind Hostels eine gute Möglichkeit, mit anderen Reisenden in Kontakt zu kommen und sogar ein bisschen extra Geld zu verdienen, falls man einen temporären Job beim Empfang oder an der Bar finden kann (oder will). Am besten probiert man beides aus und versucht alle Möglichkeiten. Denn der Luxus, alleine in einer Wohnung zu sein, bedeutet auch, ungestört arbeiten zu können. Auf der anderen Seite sind Hostels und Couchsurfing eine unendliche Quelle an Gesprächspartnern und Inspiration und ein guter Weg, die Einsamkeit zu überwinden.

Was macht man mit der eigenen Wohnung?

Die smarteste Variante ist natürlich, diese unterzuvermieten, denn so spart man sich den lästigen Umzug der Habseligkeiten in ein Lager, deckt die laufenden Kosten zuhause und hat weiterhin eine Adresse, an die die Post geht.. Vielleicht findet sich ja auch direkt ein anderer Reisewilliger, der bereit ist seine Wohnung gegen die eigene zu tauschen? Wohnungstauschbörsen wie Homeswap machen es möglich.

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Photo by Alexandra Gorn / Unsplash

Meine Wohnung = mein Büro?

Ja, wenn man damit zufrieden ist. Alternativ gibt es Webseiten, wie zum Beispiel Nomad List, die nicht nur eine große Anzahl an Co-Working Spaces für die jeweilige Stadt auflistet, sondern auch Informationen über die Lebenshaltungskosten, die Sicherheit auf der Straße oder sogar die Ausländerfreundlichkeit der Einwohner angibt. Alles, was man machen muss, ist sich einloggen und den gewünschten Ort wählen. Sogleich man damit fertig ist, kann man durch Jobbörsen surfen, sich in unzähligen Foren austauschen oderandere Reisende mithilfe eines Kalenders überall auf der Welt treffen und wer weiß, vielleicht den passenden Partner für das nächste Projekt finden.

Krankenversicherung?

Unbedingt! Auch hier halten eine Reihe innovativer Versicherer die passende Lösung für flexible Freelancer bereit – zum Beispiel World Nomads, ein von zwei ehemaligen Backpackern gegründetes Unternehmen, das sich auf die Versicherung von Digital Natives spezialisiert hat.– für circa fünfzig Euro im Monat ist man bei jeglichen Unfällen, verspäteten oder verpassten Flügen und für jede noch so abwegige Situation versichert und wird, wenn es notwendig ist, sofort mit einem englischsprachigen Arzt verbunden. Toll, oder?

Arbeit und Urlaub? Passt das zusammen?

Okay, das Ziel wurde gewählt, das Zimmer gebucht und alle Impfungen gemacht. Endlich angekommen. Und nun? Wie zwingt man sich zum Arbeiten, wenn die Luft nach Urlaub riecht, die Drinks süß schmecken und jedes kleinste Detail der unbekannten Welt darauf wartet entdeckt zu werden? Das könnte der schwierigste Teil sein, doch wenn man bedenkt, dass jeder Job, den man erledigt, einen noch einen Schritt näher zum nächsten Reiseziel bringt, bekommt man auch das schnell in den Griff . Man sollte sich selbst nicht unter zu großem Druck stellen oder darüber gar vergessen, die Reise auch zu genießen. Am Anfang könnten es nur zwei Stunden sein, oder sieben, oder zwölf. Das Wichtigste ist ein eigener Rhythmus, in dem Produktivität und Entspannung zu einer gesund balancierten Routine werden. Es wird definitiv nicht so sein, wie zu Hause, aber dafür ist man ja schließlich weggegangen. Am Ende wird man aber zufriedener sein, denn außer der Tatsache, an dem Tag etwas geleistet zu haben, wird man eine neue Kultur entdeckt, ein neues Gericht probiert und ein neues Wort gelernt haben.

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Photo by Louis Lo / Unsplash

Ja… aber!

Egal wie viele Ratschläge und wie viel Unterstützung man findet, der schwierigste Teil ist nicht die Versicherung oder eine Unterkunft zu finden, sondern in sich selbst den Mut zu entdecken, loszulassen und einfach frei zu sein. Vor einer großen Entscheidung, tendieren viele dazu, die negativen Sachen zuerst zu sehen. Es wird zu anstrengend, man weiß nicht, ob es dort sicher ist, die eigenen Freunde sind nicht dabei und es gibt keine bekannten Orte, die einem ein Gefühl von „Zuhause“ vermitteln. All diese Faktoren weichen dem einen oder anderen Moment purer Verzweiflung, manchmal Einsamkeit und Frust, hauptsächlich aber Staunen, ein Gefühl der Freiheit, viele interessante Menschen und vor allem, die Sicherheit, dass man immer genau das schaffen kann, was man will – mit Mut, Motivation und Selbstvertrauen.
Und wer sagt denn, dass man direkt 3 Monate in Asien umhertingeln muss? Wie wär’s für den Anfang erst mal mit zwei Wochen Work & Travel in Marokko, Barcelona oder einer Croissant Bäckerei in Paris?