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Im Jahr 2014 lebten auf der Welt rund 7,2 Milliarden Menschen. Einen Zugang zum Internet haben zu diesem Zeitpunkt etwa 2,93 Milliarden Menschen. Heutzutage hat fast jeder zweite Mensch auf der Welt Zugang zum Internet und die Tendenz ist steigend. In Europa ist laut der UN-Sonderorganisation für weltweite Telekommunikation ITU (International Telecommunications Union) die Verbreitung von Internetzugängen am stärksten, darauf folgen Amerika und Asien. Aus der Übersetzerperspektive bedeutet dies: ganz viel Übersetzungsmaterial!

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Photo by Kevin Ku / Unsplash

Denn im Rahmen des fortschreitenden Globalisierungsprozesses wird es für jegliche Institutionen, Behörden und Unternehmen immer wichtiger, die eigene Webseite in mehreren Sprachen anzubieten, damit sie für jeden Internetnutzer auch zugänglich ist. Dabei geht es nicht nur um reine Informationsinhalte — heutzutage sind Webseiten auch ein wichtiges Instrument, um mit Kunden in Kontakt zu treten, Serviceleistungen anzubieten oder Produkte zu kaufen beziehungsweise zu verkaufen.

Übersetzung von Web-Inhalten

Sämtliche Webseiten stehen daher häufig zunächst in englischer Sprache zur Verfügung — nach wie vor ist Englisch die meistgesprochene Sprache auf der Welt — und dies gilt auch für das Internet, wo 56,4 Prozent (Stand 2002) aller Webseiten-Inhalte auf Englisch verfasst sind. Inzwischen bestehen 7,7 Prozent der Inhalte allerdings sogar auf Deutsch, gefolgt von Französisch (5,6 Prozent), Japanisch (4,9 Prozent) und Spanisch (3 Prozent).
Für den Übersetzer zieht die wachsende Bedeutung der internationalisierten Internetauftritte einen enormen Wandel mit sich. Um einen Internetauftritt zu übersetzen — man spricht von der Lokalisierung einer Webseite — ist das reine Sprach- und Kulturwissen nicht ausreichend. Neben der Anpassung der Inhalte an die speziellen kulturellen Bedingungen einer Region und die Zielgruppe muss sich ein Übersetzer auch mit technischen Hintergründen auskennen.
Die „Übersetzung“ von Webseiten-Inhalten erfolgt nicht nur auf die Sprache bezogen — wobei der Übersetzer auch an dieser Stelle bereits einige kulturspezifische Eigenheiten beachten muss. Um nur ein paar davon zu nennen: die Anpassung von Grafiken an lokale Gegebenheiten (der Begriff Sport wird in Amerika beispielsweise mit einem Baseballspieler assoziiert, wohingegen in Deutschland sofort an einen Fußballer gedacht wird), die individuelle Wirkung von Farben und Symbolen, bestimmte Formatkonventionen für Zeit-, Datums- und Preisangaben, die Darstellung von Kontaktdaten.
Abgesehen davon stellt sich der Übersetzer einigen technischen Herausforderungen, die die Gestaltung, Pflege und Wartung der Webseite betreffen. Es gibt viele Faktoren, die im Rahmen einer Webseitenlokalisierung beachtet werden müssen — schließlich soll die Webseite die gleiche Wirkung erzielen, wie auch das Original.
In erster Linie muss der Übersetzer ein Verständnis dafür haben, wie Textinhalte auf eine Webseite übertragen werden — ein Stichwort ist HTML (Hypertext Markup Language), die sogenannte Auszeichnungssprache für Dokumente im World Wide Web. Mithilfe von HTML werden Textdokumente strukturiert, damit sie von einem Browser als Website dargestellt werden. Dazu bedarf es einer bestimmten Codierung der Textinhalte in ein HTML-Format. Ein Beispiel zur Veranschaulichung sind die Sonderzeichen: Im Deutschen gibt es viele Umlaute — wie aber werden diese für französischsprachige Internetnutzer angezeigt? Oder: Wie werden die zahlreichen Akzente im Französischen und Spanischen auf Deutschen Webseiten angezeigt? In der Programmiersprache lautet der HTML-Code für das „ä“ &auml, die französische Cedille wird als ç übertragen — noch Fragen?

Herausforderungen im Lokalisierungsprozess

Hinter dem Lokalisierungsprozess einer Webseite steht also bereits ein komplexer Arbeitsaufwand, der allein mit Blick auf das Einpflegen der Texte ins System viel Präzision erfordert. Hinzu kommt, dass sich Webseiten-Inhalte stets ändern — aktuelle Veränderungen müssen selbstverständlich sofort in jeder Sprache vorgenommen werden. Außerdem sollte garantiert werden, dass auch Multimediadateien in der entsprechenden Sprache funktionieren. Neben all diesen Herausforderungen und Schwierigkeiten, die eine Lokalisierung einer Webseite mit sich bringen kann, ist das Ergebnis am Ende jedoch von unheimlich großem Wert: Dem Internetnutzer werden neue Webseiten-Inhalte geboten, er wird in den fortschreitenden Globalisierungsprozess integriert und der Auftraggeber erweitert seine Erreichbarkeit und vergrößert seinen Kundenstamm.
Letztlich ist es der Übersetzer, der mit viel Präzision und Expertise ein Kommunikationsmedium im Internet gestaltet, welches den Auftraggeber mit einer entsprechenden Zielgruppe vernetzt.
Bitte wählen Sie eine Sprache — and make yourself at home.