Wie wir in unserem letzten Newsletter bereits erwähnten waren wir unter den Gewinnern von insgesamt 12 jungen Unternehmen, die von Baden-Württemberg International ausgewählt wurden, dieses Jahr für das Land Baden-Württemberg als Teil der deutschen Delegation die weltweit größte Digitalmesse in Austin, Texas zu besuchen. Wir haben nun unserer Erlebnisse und die neuesten Technologie-Trends in einer zweiteiligen Serie zusammengefasst und wünschen viel Spaß beim Lesen:

Tag 1: Eingewöhnung

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Christopher Kränzler, CEO von lengoo, im GermanHaus auf der SXSW 2016

Die Luft in Austin ist irgendwie anders. Es ist schwer zu beschreiben. 50.000 Besucher aus den unterschiedlichsten Branchen und unterschiedlichsten Unternehmen - vom Startup bis zum Großkonzern - aus 160 verschiedenen Ländern sind im Laufe des gestrigen Tages mit Flugzeug, Bus oder Auto in der Hauptstadt des Staates Texas, Austin, gekommen und versuchen sich nun - wie wir auch - einen Überblick über ein Überangebot an Vorträgen, Diskussion und Workshops zu verschaffen. Den ersten Breakfast Taco nutzen die meisten dabei bereits als Netzwerkgelegenheit, um die ersten Teilnehmer kennen zu lernen. Es liegt ein frischer “Heute packen wir es an”-Duft in der Luft. Stimmt es also wirklich, dass die USA unternehmerisch und technologisch eine Vorreiterrolle einnehmen? Auch wir konnten es nicht erwarten, dies in den kommenden Tagen zu erleben.

Wir starteten mit der alles entscheidende Frage, wie man erfolgreiche digitale Produkte entwickelt. Der Redner Scott Belsky reduzierte das Problem auf vier Kernpunkte:

  1. Man darf nie vergessen, dass man Produkte oder Dienstleistungen für Menschen konzipiert. Diese sind von Natur aus faul, selbstverliebt und egoistisch. Daher muss ein neues Produkt oder Feature leicht verständlich gestaltet sein und sofort einen Mehrwert für jeden neuen Nutzer bieten.
  2. Komplexität muss mit Hilfe von Software vereinfacht werden. Neue Features müssen ohne Einarbeitungszeit verfügbar gemacht werden.
  3. Der Mensch ist ein Gewöhnungstier. Daher dürfen neue Produkte nur zu 10 % neuartig sein und sollten zu 90 % bekannte Konzepte wiederverwenden.
  4. Schafft man es, dass ein Nutzer direkt von der Nutzung profitiert, verliert man ihn kaum mehr. Innovative Unternehmen wie Netflix und Spotify lernen vom Nutzerverhalten und werden dadurch immer vertrauter.

Im Anschluss waren wir auf einem Vortrag von, Steve Juvertson – ausgezeichnet von Deloitte als Venture Capitalist of the Year – über seine Vision der in den nächsten 10 Jahren bedeutendsten Trends. Ein Wort fiel dabei in nahezu jedem zweiten Satz: Deep Learning. In den kommenden Tagen wird sich dies zu dem Buzzword der Messe in nahezu allen Bereichen entwickeln. Kurz zusammengefasst, versteht man unter Deep Learning Software, die nicht wie heute üblich regelbasiert trainiert wird, um bestimmte Tasks abzuarbeiten, sondern auf Basis von großen Datenmengen Regeln selbst erkennt und sich damit selbst trainiert. Auf diesem Konzept basieren heute schon erfolgreich Algorithmen zur Gesichtserkennung (wie bspw. bei Facebook), Spracherkennung (wie bspw. Apples Siri) sowie selbstfahrende Autos von Google oder Tesla. Der Unterschied zu den alten Technologien ist, dass die für das Deep Learning benötigten riesigen Datenmengen heute effizient verarbeitet werden können. Auch wir bei lengoo verwenden diese Technologie für die Zuteilung des am besten geeigneten Übersetzers für jeden Auftrag. Mehr dazu später.

Abschließend lernten wir einige tolle erfolgreiche international aktive Startups kennen, die es geschafft haben ein globales Unternehmen aufzubauen:

  • Kahoot: A free game-based learning platform
  • WP engine: Managed WordPress hosting provider
  • Youroam: Mobile application that allows you to call any phone in the world without roaming charges
  • Ownlocal: Automated digital ad agency for local media

Tag 2: Heute große Party im GermanHaus.

Gut erholt und so langsam an die Informations- und Menschenflut gewöhnt,

drehte sich heute im GermanHaus alles um das Land Baden-Württemberg.  Besucher aus der ganzen Welt bekamen die Möglichkeit neue Firmen, Technologien und Trends in Baden-Württemberg kennenzulernen, potentielle Synergien zu identifizieren oder einfach nur auf ein gutes deutsches Bier anzustoßen. Der Höhepunkt des Tagesprogramms war mit Sicherheit der Vortrag von Alexander Mankowsky der Daimler AG zum Thema selbstfahrende Autos. Zu diesem Vortrag kamen Prominente aus allen Genres und aus der ganzen Welt im GermanHaus zusammen.

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Zwischen zahlreichen Gesprächen verbrachten wir den restlichen Tag damit weitere aufstrebende Trends der nächsten Jahre zu identifizieren:

  • Mit steigenden Nutzerzahlen von AdBlockern weltweit, zeigt das klassische Banner, z.B. auf Google, immer schlechtere Konversionszahlen. Wirklich erfolgreiches Marketing geht nur noch über für den Kunden wertvollen Content. Auch wir werden in Zukunft verstärkt unseren Blog noch intensiver nutzen, um Ihnen Themen rund um die Internationalisierung und Lokalisierung näher zu bringen.
  • Messenger sind auf dem besten Weg der neue Vertriebskanal zu Millennials zu werden. Schon heute stellen in den USA WhatsApp und Snapchat für Teenagers einen wichtigen Kanal dar, um personalisiert online einzukaufen. Dies wird durch Business-Chat-Systeme wie Slack auch in der Unternehmenswelt bald einziehen. APIs für eine reibungslose Integration werden damit für jede digitale Dienstleistung unvermeidbar. Wir bei lengoo arbeiten bereits mit Hochdruck daran Übersetzungen per Schnittstelle aus unzähligen Programmen heraus anbieten zu können. Seien Sie gespannt.
  • Während man es in Deutschland schwer hat jemanden zu finden, der schon mal eine Virtual Reality (kurz: VR) Brille ausprobiert hat, wird einem in Austin sehr schnell klar, dass dies das neue Medium der Zukunft sein wird. Die Entwicklungen sind schon sehr weit fortgeschritten. Ich kann es jedem nur empfehlen dies bei Gelegenheit zu testen. Sie werden wie wir beeindruckt sein, wie schnell (wenige Sekunden) Sie vergessen wo sie sich eigentlich befinden und voll in die virtuelle Welt abtauchen. Um einen ersten Eindruck zu bekommen laden Sie sich doch mal Google Spotlight Stories runter. Der Suchmaschine-Gigant veröffentlichte standesgemäß die App pünktlich zum Start der SXSW2016 und zeigt damit, welche neue Möglichkeiten Google im Bereich Kinofilme mit Hilfe von VR sieht. Vor allem im Bereich Marketing und Content werden hier große Chancen gesehen. Die New York Times experimentiert bereits heute mit VR. Auch aus Deutschland waren zwei erfolgreiche Startups im VR-Bereich Teil der deutschen Delegation:
  1. 360°-Video-App Splash, des Berliner Startup Viorama, die es jedem Smartphone-Nutzer erlaubt ohne jegliches weitere Equipment Rundum-Videos zu drehen und über Soziale Netzwerke zu teilen. Mit diesem Konzept gewann das Deutsche Startup sogar den SXSW Accelerator
  2. Ein weiterer Finalist des SXSW Accelerators: SPHERIE aus Hamburg kombiniert VR und Dronentechnologie

Tag 3: lengoo stellt sich offiziell dem amerikanischen Publikum vor

Nach einer durchzechten Nacht mit einigen der interessantesten Teilnehmern – potentielle Kunden, Partner, Mentoren, Freunde – dreht sich bei uns heute alles um DEN Pitch. Wir bekamen die Möglichkeit lengoo auf dem offiziellen Messestand Deutschlands mitten in der Tradeshow Halle 5 Minuten lang vorzustellen und alle Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen und aussichtsreiche Kontakte zu anderen Firmen zu knüpfen.

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Motiviert davon beschäftigten wir uns den restlichen Tag mit dem Thema künstliche Intelligenz (kurz: AI)– einem Bereich in den auch wir bei lengoo viel investieren, um unsere Dokument-Übersetzer- Zuteilung noch genauer und v.a. skalierbarer zu realisieren.


In einem Vortrag betitelt “Finding a Job in an Automated Future” nahmen Robbie Allen von Automated Insights und Dennis R. Mortensen von x.ai zunächst die Angst, dass es in wenigen Jahren keine Jobs mehr gäbe, da alles automatisch funktionieren würde. Automated Insights erstellt automatisch Nachrichtenartikel, die wie von Menschen geschrieben aussehen. Sie sind der größte Content-Produzent mit 1,5 Mrd. Artikeln letztes Jahr. x.ai stellt einen persönlichen Assistenten für jedermann, der automatisch Termine mit Geschäftspartner vereinbart.

Beide waren sich einige, dass AI in nächster Zeit nur dafür gut sein wird sich wiederholende Jobs (auf Basis riesiger Mengen an Daten) zu automatisieren. Jobs, die menschliche Kreativität benötigten sind weit von der Automatisierung entfernt. So kann Automated Insights auch nur Artikel verfassen, die immer nach einem gewissen Schema geschrieben sind. Sie fokussieren sich dabei auf Sportergebnisse und Börsennachrichten. Die Emotion steckt hier nicht im Schreibstil sondern im Inhalt selbst (Endstand eines Spiels bzw. Kurswertes). Somit duldet der Mensch einen weniger ansprechenden, individuellen Schreibstil der Computer.

Diverse Studien zeigen sogar, dass bis heute noch kein einziger Job wegen AI weggefallen ist und McKinsey veröffentlichte in einer Studie, dass von 100 Jobs heute kein einziger vollständig automatisierbar ist. Mortensen geht sogar noch einen Schritt weiter: Ihm geht es nicht darum die Sekretärin eines Unternehmers, der sich diesen Luxus leisten kann zu ersetzen, sondern die Dienstleistung zu demokratisieren, damit sie sich jeder leisten kann. Dies ist auch unsere Motivation bei lengoo mit Hilfe von künstlicher Intelligenz die Zuteilung von Übersetzern, die bisher von teuren Agenturen gemacht werden, für jeden Mittelständler zugänglich zu machen.

Weiter sind sich beide einig, dass wir generell unterschätzen wie lange kulturelle Akzeptanz neuer Technologien benötigt. Auch wir sind der Meinung, dass, selbst wenn maschinelle Übersetzung irgendwann in einem breiten Spektrum möglich sein sollte, wird es noch Jahrzehnte lang brauchen, in denen Menschen die Übersetzung überprüfen und korrigieren müssen, um das benötigte Vertrauen sicherzustellen. Sollte es wirklich soweit kommen, wird es genügend Zeit geben, dass sich betroffene Berufsgruppen und Unternehmen neu orientieren können.

Tag 4: Es ist an der Zeit sich mit weltweiter Konkurrenz zu messen

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Auf der Pitch Stage der Tradeshow hatten wir heute die Möglichkeit uns zusammen mit den anderen Startups der deutschen Delegation vorzustellen. So wie wir hatte jedes Land eine halbe Stunde Zeit seine Startups zu präsentieren und für seinen Standort zu werben. Wir bedanken uns sehr beim Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie für die Organisation. Mit unserem Pitch schafften wir es sogar ins Fernsehen. Zugegeben nur eine Komparsenrolle, aber Fernsehen bleibt Fernsehen. Vielen Dank, Bayrischer Rundfunk.

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Beim Netzwerken am Deutschen Stand freuten wir uns endlich die anderen deutschen Teilnehmern besser kennenzulernen. U.a. lernten wir folgenden Startups kennen:

  1. DatLion
  2. nate
  3. netzstrategen GmbH
  4. Virtual Promoter
  5. CAT MEDIC

Die restliche Zeit verbrachten wir heute im Austausch über Finanzierungsmöglichkeiten von jungen Unternehmen. In Workshops lernten wir die neusten Trends und Kniffe, mit denen wir Sie hier aber nicht weiter langweilen möchten.

Tag 5: Der letzte Tag

So rasant wie das Erlebnis SXSW begonnen hat, so schnell ist es wohl auch wieder vorbei. Die vielen Veranstaltungen, Eindrücke und Bekanntschaften ließen die Zeit wie im Fluge vorbeigehen.

Im Einklang mit vorherigen Erkenntnisse über Messenger, hörten wir uns zum Einstieg heute die Visionen des CEOs des wohl aktuell populärsten Messengers Slack, Stewart Butterfield, im Austausch mit New York Times Kolumnist Farhad Manjoo an.

Slack ist ein real-time Messenger für Unternehmen. Auch wir benutzen Slack für die interne Kommunikation unseres Teams uns sind einfach nur begeistert.

Am beeindrucktesten für uns war die unglaubliche User-Engagement, die Slack aktuell aufweist: Durchschnittlich 2.20h pro Tag (Facebook: 45min). Slack verriet, dass auch für sie das eine zu hohe Zahl ist und sie wiederum mit AI daran arbeiten, die Kommunikation effizienter zu gestalten.

Zum Abschluss tauschten wir uns mit anderen amerikanischen Firmen über die Chancen und Schwierigkeiten von Online-Marktplätzen aus:

  • Food Moves: Live Standort von Food-Trucks mit angeschlossener Community
  • Roadie: Mitnehmen von Ware in Privatautos
  • Kitchenbowl: Rezepte in GIF-Format, von Usern erstellt
  • Ten-x: Erster Marktplatz für Immobilienkäufe)

Nun ist es tatsächlich vorbei. Im Taxi zurück zum Hotel lasse ich die letzten Tage Revue passieren. Nach 5 Tagen Druckbetankung von Informationen, Markt-Insights, neue Technologien, die noch nicht oder sich gerade mitten in der weltweiten Ausbreitung befinden, hunderte Kontakte, die es nun gilt alle regelmäßig zu pflegen, freue ich mich aber auch ein bisschen nach Deutschland zurückzukehren. Nicht nur um endlich wieder mehr als 4h Schlaf pro Nacht zu bekommen, aber vor allem um diese Eindrücke in neue Ideen, neue Features und neue Herangehensweisen umzusetzen.

An dieser Stelle nochmals vielen Dank an das tolle Team von Baden-Württemberg International um Frau Cornelia Frank für die tolle Organisation und dieses einzigartige Erlebnis.

Tipps und Trick für einen erfolgreichen Besuch

Falls nun auch Sie entschlossen sind (wir sind es definitiv und wir haben niemanden getroffen, der etwas anderes gesagt hat) dieses wahnsinnige Veranstaltung nächstes Jahr (wieder) zu besuchen, sind hier zum Abschluss noch einige Tipps, um Ihren Besuch so erfolgreich wie möglich zu gestalten:

  1. Buchen Sie Ihr Hotel und Flug so früh wie möglich, da die Preise exorbitant in die Höhe schießen.
  2. Nehmen Sie sich im Vorfeld genügend Zeit zur Vorbereitung, d.h. Treffen mit Geschäftspartnern vereinbaren und einen Überblick über die Veranstaltungen verschaffen.
  3. Das GermanHaus liegt relativ zentral und eignet sich super, um mit deutschen aber auch internationalen Kollegen zu netzwerken.
  4. Entscheiden Sie sich für Panels auf Basis der Sprecher und nicht des Titels.
  5. Nehmen Sie sich nicht zu viele Veranstaltungen pro Tag, sondern lassen Sie sich Zeit für spontane Besuche und Gespräche vor und nach den Panels mit anderen Teilnehmern.
  6. Sehen Sie die SXSW als 2-Jahres-Blick in die Zukunft. Mit umso mehr Neugierde und Offenheit Sie dem großen Angebot an Ausstellern, Vorträgen und Teilnehmern entgegen gehen, umso mehr werden Sie daraus mitnehmen und auch in Ihrer Branche Anwendungen finden.

Wir freuen uns Sie nächstes Jahr in Austin zu treffen!