HÜRDEN BEI DER INTERNATIONALISIERUNG

Interview mit Volker Zanetti, Geschäftsführer der Blogfabrik Berlin

Volker Zanetti ist Geschäftsführer der Blogfabrik Berlin. Wir trafen uns mit ihm auf ein Gespräch über sein Unternehmen und die Internationalisierung. Die Blogfabrik arbeitet auf ihren Instagram-reif designten 575 Quadratmetern in Berlin Kreuzberg unter anderem mit Bloggern, Influencern und Fotografen um Content für Agenturen und Unternehmen zu planen und zu erstellen. Kreatives Storytelling und innovative Inhalte liegen dabei im Fokus, und bekannte Namen wie Zalando und YouTube zählen zu ihren Kunden.

Hallo Volker, erzähl uns doch etwas über dich und das Konzept der Blogfabrik.
Hallo Elena, erst einmal Danke dafür, dass ihr heute bei uns in der Blogfabrik seid. Das Konzept der Blogfabrik ist mit eurem Besuch schon ganz gut beschrieben. Wir sind ein Fortbildungs- und Entwicklungszentrum für digitale Inhalte und arbeiten aktuell mit rund 150 Content Creators, also Bloggern, Influencern, Fotografen, Köchen, Designern und Übersetzungshäusern, mit unterschiedlichen Modellen einfach daran wie der Content im Netz besser wird und wie Geschichten nachhaltiger erzählt werden. Wir unterstützen Blogger dabei ihre Geschäfte aufzubauen und entwickeln mit Unternehmen Agenturprojekte in der Kommunikation.

Wie würdest du die Kunden beschreiben, die eure kreative Digital Native Community anzieht? An welchem Punkt befinden sie sich auf dem Weg zur Internationalisierung?
Ich glaube unsere Kunden sind tatsächlich alle schon irgendwie international. Es beginnt schon damit, dass wir Menschen aus 20 Nationen hier haben. Berlin ist einfach ein internationaler Treffpunkt, gerade für Medientreibende und Kreative, und so ist das auch mit den Unternehmen: Ein Kunde wie die Deutsche Bank beispielsweise, ist international aktiv. Alles was er hier tut, strahlt in er auch in die Welt aus und umgekehrt. Oder Häuser wie YouTube oder Zalando, für die wir auch arbeiten. Einfach Unternehmen, die gar nicht mehr den Blick haben auf nur ein rein deutsches Geschäft. Das ist auch stark davon geprägt, dass die Mitarbeiter in der Regel überhaupt nicht mehr nur aus Deutschland kommen.

Hattet ihr beim Konzept der Blogfabrik von Anfang an einen breiten Länderfokus oder gab es Schlüsselmomente die zur internationalen Aufstellung geführt haben?
Die Uridee der Blogfabrik war verstehen zu können was Blogger antreibt. Die Blogfabrik gehört zur Melogroup, welches ein international agierendes Unternehmen ist, das eigentlich aus dem Presseversand und der Presselogistik kommt und heute beispielsweise mit Magazinen in Flugzeugen international aktiv ist. Daraus kam eigentlich die Inspiration: „Wie funktioniert diese neue Kommunikationswelt?“. Als wir mit der Blogfabrik angefangen haben, hat man gesagt man braucht 575 m² Coworking Space, ein Fotostudio und eine Küche, in der zusammen gekocht und gefilmt werden kann, alles darauf ausgerichtet Modelle zu entwickeln. Und es braucht natürlich Menschen, die dieses kreative Gefühl leben. Da haben wir ganz schnell festgestellt, dass diese aus allen Ländern der Erde kommen und hier ihre gemeinsamen Projekte entwickeln, miteinander arbeiten, neue Ideen kreieren. Wir machen ganz viele Veranstaltungen, z.B. die „Content Creation Week“, die ca. 600 Leute aus Agenturen, Medien und Unternehmen zusammenbringt. Wir haben 15 Workshops gemacht, in 4 Sprachen, in denen wir Themen aufbereitet haben. Und merken da, dass Internationalisierung von jedem gelebt werden muss, der hier ist.

Beeinflusst das internationale Arbeiten den Agenturalltag und welche besonderen Herausforderungen gibt es bei internationalen Projekten?
Das beeinflusst den Agenturalltag ganz wesentlich. Wir haben zum Beispiel für unsere Mitglieder 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche geöffnet. Das liegt daran, dass unsere kolumbianischen, brasilianischen, französischen und anderswo international agierenden Menschen einen ganz anderen Rhythmus haben. Die fangen abends um 10 an und hören morgens um 6 auf und um sich hier wirklich ausleben und entwickeln zu können, brauchen wir dieses 24/7-Konzept.
Und tatsächlich ist es auch bei den Kunden so, dass unterschiedliche Themengebiete anders diskutiert werden.
Auch im Bezug auf das Essen gibt es Besonderheiten. Wir sind ein internationaler Coworking Space, das heißt von den Klassikern vegan, vegetarisch und glutenfrei müssen wir einfach alles hier haben. So wird’s im Kühlschrank verteilt, so wird gegessen, so wird auf unterschiedliche Befindlichkeiten geachtet, denn nur so kann man gut arbeiten. Wenn das Umfeld stimmt, dann kommt man gerne ins Haus und nur dann werden die Projekte auch erfolgreich.

Wie geht ihr mit internationalen Aufträgen um, wenn ihr die gewünschte Zielsprache nicht anbieten könnt bzw. keine eigenen Ressourcen besitzt?

Wir haben natürlich Ressourcen an Sprachen, die hier auch vertreten sind. Aber wir haben auch Menschen, die keine Texte schreiben und übersetzen können. Wir versuchen im Wesentlichen, gerade bei Geschichten und Content, den man erstellt, ihn in der Landessprache schreiben zu lassen. Das heißt wie briefen in der entsprechenden Sprache die Geschichte und derjenige schreibt in Englisch oder Spanisch oder Französisch. Wir merken aber auch, dass wir einen Backoffice Partner brauchen, der schnell reagiert. Und ich soll zwar nicht über lengoo werben, aber ihr seid das in dem Fall einfach. Und wir sind dadurch einfach schnell und aktiv, und bei euch kann uns geholfen werden.

Erzähle uns doch eine Anekdote aus dem Agenturalltag, über die du dich damals geärgert hast, aber über die du heute lachen kannst.
Ich bin seit einem Jahr Geschäftsführer der Blogfabrik und habe die Blogfabrik als kreativen Space erlebt. Und was mich damals unheimlich begeistert hat, ist der alte Perserteppich, der in unserem Space lag und jetzt wieder liegt.
Letztes Jahr waren wir mit dem Bloggercamp auf der Buchmesse und haben, weil wir die Stände so hässlich fanden, unsere Pflanzen, Möbel und unseren Teppich mitgenommen. Dieser Teppich wurde auf der Buchmesse geklaut. Und dieser Teppich hatte echt eine Geschichte: Unsere Content Creatorin Fusi war bei einer persischen Familie, hat ihn ausgesucht und sie haben geschachert und gehandelt wie die Verrückten… Und dann war unser Teppich einfach weg. Da hatten wir tatsächlich eine Woche lang Trauerphase. Wir haben auf dem glatten Boden gesessen, haben uns Drinks genommen und haben überlegt, wie wir unser Leben zurückbekommen. Denn wir wollten eine Geschichte hinter unserem neuen Teppich haben. Wir haben angefangen auf eBay zu suchen und eine wunderbare türkische Familie gefunden. Die Töchter wollten den Perserteppich einfach loswerden, weil die Wohnung super schön gestylt war und Papa den halt noch da liegen hatte. Der Vater hatte den Töchtern aber versprochen, dass wenn sie gutes Geld dafür kriegen, dann dürfen sie ihn verkaufen. So ist unser neuer Perserteppich, auf dem wir alle sitzen, reden, Yoga machen und diskutieren, zu uns gekommen. Und wir haben wieder eine Geschichte, die uns glücklich macht.
Heute ärgert mich das nicht mehr, weil die nächste Geschichte mit den Töchtern auch sehr schön ist, aber damals war ich richtig sauer.

Fazit

Internationalisierung wird oft von internen Kräften angetrieben. Durch Mitarbeiter aus unterschiedlichen Ländern, im Falle der Blogfabrik aus 20 Nationen, liegt der Fokus schnell nicht mehr nur auf Deutschland. Kreative Fachkräfte kommen aus aller Welt und können gut zusammen an neuen Projekten arbeiten, wenn man ihnen dafür das richtige Umfeld bietet.

Mehr Informationen finden Sie hier.