und wieso Übersetzen schwieriger ist, als manch einer denkt

In Deutschland stellt Englisch nach Französisch und Spanisch die dritthäufigste übersetzte Sprache dar. Da gutes Englisch ausgesprochen anspruchsvoll ist, beauftragen Unternehmen, Verbände oder Webseitenbetreiber professionelle Übersetzer mit dieser Aufgabe. Zwar finden sich im Internet zahlreiche kostenlose Übersetzungsprogramme, diese bergen aber zahlreiche Fehlerquellen und falsche Übersetzungen.

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Was aber gehört zu den häufigsten Übersetzungsfehlern, Schwierigkeiten und Herausforderungen bei einer Übersetzung überhaupt?
Einwandfreie Übersetzungen erfordern von einem Übersetzer neben exzellenten Sprachkenntnissen der Ausgangs- und Zielsprache auch die Fähigkeit False Friends zu erkennen und zu vermeiden. Unter False Friends (französisch „faux ami“, deutsch: „falscher Freund“) versteht man ein Wort, welches einem anderen Wort in einer anderen Sprache in der Schrift oder Aussprache ähnelt, aber eine völlig andere Bedeutung hat. Gift, gymnasium, art, become, physician, sensible, argument sind nur wenige Beispiele dieser Fülle an False Friends. Vor allem sind Übersetzer mit der Sprachkombination Englisch-Deutsch bzw. Deutsch-Englisch mit zahlreichen False Friends konfrontiert, die zu einer falschen Übersetzung verleiten. False Friends, wie beispielsweise Handy, bedeutet im Englischen „handlich, geschickt, gewandt“, aber nicht „Mobiltelefon“. Weitere Pseudoentlehnungen bzw. Scheinanglizismen sind „Beamer“ oder „Public Viewing“.
Leider werden diese falschen Freunde auch oft in Online-Wörterbüchern als Übersetzung vorgeschlagen. An diesem Punkt wird wieder einmal deutlich, dass die maschinelle Übersetzung die menschliche Übersetzung nicht ersetzen kann. Da viele Wörter kontextabhängig sind oder fachspezifisch unterschiedliche Bedeutungen haben können, muss eine Übersetzung immer individuell von einem professionellen Übersetzer angefertigt werden. Zwar liefert eine kostenlose Übersetzungsmaschine sekundenschnelle Übersetzungen, doch automatische Übersetzungen bieten noch immer ungleichmäßige Qualität und beinhalten in der Regel peinliche Syntax- und Übersetzungsfehler.

Wie aber lassen sich False Friends und falsche Übersetzungen vermeiden?

Ein Übersetzer, der regelmäßig Texte in der Zielsprache liest, baut nicht nur seinen Wortschatz aus, sondern eignet sich darüber hinaus die richtige Verwendung von bestimmten Begriffen, Ausdrücken, Metaphern und Redewendungen an. Im Gegensatz zu künstlicher Intelligenz, kann ein menschlicher Übersetzer so je nach Kontext und Fachgebiet die passende Übersetzung liefern. Ein guter Übersetzer steht nicht nur vor der Herausforderung des reinen Übersetzen eines Textes, sondern muss auch die landesüblichen Sitten, die Kultur, die geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergründe bei einer Übersetzung berücksichtigen. Da eine maschinelle Übersetzung viele Wörter jedoch kulturunabhängig, einzeln übersetzt und nicht im Kontext mit anderen Wörtern bzw. vorangegangenen Sätzen, kommt es häufig zu Missdeutungen und falschen Übersetzungen.
Nehmen wir ein weiteres Beispiel: Vielen Dank für die gute Zusammenarbeit. Wer meint, „Many thanks for the good cooperation“ sei die richtige englische Übersetzung, liegt hier ziemlich falsch. Erstens, ist many thanks sehr salopp und unverbindlich. Und zweitens, wird Thank you for your cooperation meist mit „Vielen Dank für Ihr Verständnis“ verwendet. Auch hier bedarf es der Eigenschaft eines Übersetzers, einen Ausdruck bzw. Redewendung in die Zielsprache zu über-tragen. Die richtige Übersetzung Thank you for your support kann flexibel gegenüber Geschäftspartnern, Kunden oder Lieferanten eingesetzt werden. Besonders gegenüber Mitarbeitern wird Thank you for your positive contribution (to another great year, to our success) verwendet.
Darüber hinaus ist es für einen Übersetzer essentiell, die jeweiligen Fachbegriffe eines bestimmten Themas zu kennen und richtig einzusetzen. So mag das eingedeutschte Wort „Mobbing“ zwar englischen Ursprungs sein, im Englischen jedoch wird für das gleiche Phänomen das Wort „bullying“ verwendet. Englische Muttersprachler wundern sich auch über deutsche Wortschöpfungen wie „Beamer“ oder „Public Viewing“. Wer demnächst eine Präsentation vor englischsprachigem Publikum halten sollte, sollte hierzu auf einen „video projector“ verweisen. Und anstatt seine Kollegen/Geschäftspartner zu einer öffentlichen Leichenbeschauung einzuladen, sagt man am besten: „Let´s go to watch the football match at the pub.“