Unternehmen, die das erste mal Übersetzungsdienstleistungen in Anspruch nehmen, stehen vor vielen ungeklärten Fragen und düsteren Unbekannten.

Wir bringen Licht in den Akronym-Wald, klären die wichtigsten Begriffe, erläutern einfache, aber wichtige Werkzeuge und geben Tipps für ein erfolgreiches Übersetzungsmanagement. Denn wer die Mehrsprachigkeit des eigenen Unternehmens von vornherein smart angeht, spart sich viel Zeit, Geld, Nerven und sorgt bereits heute für morgen vor.

Wir stellen 6 Werkzeuge und Tipps vor, die Sie als Unternehmen beachten sollten, und beantworten häufig auftauchende Fragen, damit Ihrem erfolgreichem Übersetzungsprojekt nichts mehr im Wege steht.

Diese 6 Punkte beeinflussen den Übersetzungsprozess in Ihrem Unternehmen maßgeblich und können diesen dramatisch verbessern:

1. Definieren Sie ein klares Ziel und die Zielgruppe der Übersetzung

Seien Sie sich im Klaren, für wen die Übersetzung gedacht ist und welchen Zweck sie erfüllen soll. Ein Blogpost für Backenthusiasten verwendet eine vollkommen andere Sprache als ein Marketingtext für sensorgestützte Beregnungssteuerung. Das ist Ihnen natürlich klar, denn Sie beschäftigen sich seit Jahren mit der Materie, externen Dienstleistern jedoch müssen Sie diese Information unbedingt zur Verfügung stellen. Aber auch verschiedene Altersgruppen möchten anders adressiert werden. Legen Sie diese Informationen im Vorhinein fest, und teilen Sie diese Ihrem Sprachdienstleister mit - egal ob es sich hierbei um einen Freelancer, eine Agentur oder Ihre eigenen Mitarbeiter handelt. Bedenken Sie außerdem, dass sich die gleiche Sprache in unterschiedlichen Ländern unterscheiden kann. Briten nutzen Englisch anders als Amerikaner. Aber auch innerhalb einzelner Ländern unterscheiden sich Sprachgewohnheiten oft. Wer einmal im Norden Englands unterwegs war, dem dürfte das ein Begriff sein. Seien Sie sich außerdem bewusst, dass einige Länder mehrere Amtssprachen besitzen. Wollen Sie Menschen in Belgien von einem Kaffee überzeugen, wird die Person entweder auf Koffie, Café, oder vielleicht sogar auf Coffee reagieren. Eine gut recherchierte Persona ist die halbe Miete - hierbei helfen kleine Details wie die Fachzeitschriften, die die Zielperson gerne konsumiert, das Alter, der Bildungsstand, welche anderen Bereiche von Interesse für die Zielperson sind, oder ob Humor eine große Rolle spielt.

Experten-Tipp: Je genauer Sie Ihre Zielgruppe kennen, desto einfacherer können Sie mit Ihr kommunizieren. Egal auf welcher Sprache.

2. Das Glossar

Ein Glossar dient als Übersicht der wichtigsten Begriffe in Ihren Texten. Es wird tabellarisch angelegt und beinhaltet das Quellwort und die jeweilige festgeschriebene Übersetzung.

Strukturiert in Ausgangs- und Zielsprache, definiert ein Glossar unternehmensspezifische Fachbegriffe, Anreden, Eigen-, aber auch Produktnamen oder Redewendungen. Das Anlegen dieser Informationen in einem Glossar wahrt eine konsistente Markenkommunikation, egal ob intern oder extern und sorgt für exzellente Sprachqualität in der finalen Übersetzung. Außerdem verhindern feste und geklärte Begrifflichkeiten Zeitverzögerungen durch Unstimmigkeiten. Wenn Ihnen die Ressourcen fehlen, ein Glossar anzulegen, weil Sie die Zielsprache schlicht nicht sprechen, bitten Sie Ihren Dienstleister in einem ersten Schritt die häufigsten Begriffe zu übersetzen und Sie dabei zu beraten, wie diese übersetzt werden sollen. Sobald ein Glossar erstellt ist, wird sich die Konsistenz der Übersetzungen deutlich verbessern. Das Glossar bildet den “Single Point of Truth” und dient als Referenzpunkt für etwaige Fragen. Moderne Translation Memory Systeme und CAT-Tools (Computer Aided Translation Tools) sind dazu in der Lage Glossare direkt in die Arbeitsoberfläche einzubinden und Begriffe, die darin enthalten sind automatisch mit dem jeweils korrekten Begriff zu übersetzen. So wird bei einer Übersetzung beispielsweise “Apple” in einem deutschen Text auch garantiert immer “Apple” und nicht etwa “Apfel”.

Experten-Tipp: Bitten Sie Ihren Dienstleister um eine kurze Beratung. Die Übersetzung der wichtigsten Begriffe aus dem Ausgangstext vorab bildet eine objektive Grundlage und hilft die Sprachkonsistenz zu erhöhen. Beraten Sie sich mit Ihrer Kommunikations- oder Marketingabteilung bzgl. für Ihre Marke gängiger Begriffe und sammeln Sie diese.

3. Der Styleguide

Sie haben in Ihrem Unternehmen Monate, vielleicht Jahre damit zugebracht eine Tonalität zu entwickeln, die genau für Ihr Unternehmen funktioniert, Ihre Marke genau so repräsentiert, wie Sie es sich vorstellen. Sie haben Fehler gemacht und aus diesen gelernt - Sie sind smarter geworden. Sobald Sie für Ihr Produkt, Ihre Marke oder Ihr Unternehmen en gros nun in einer anderen Sprache kommunizieren als Ihre ursprüngliche, kommen Sie nicht umhin genau dieses Wissen und diese Vorstellung bzgl. der Sprachgestaltung an Ihre Dienstleister weiterzugeben. Egal wie qualifiziert und erfahren Linguisten sind - Gedanken lesen können die Wenigsten. Ihre Spracheigenheiten und Präferenzen sind das wertvolle Ergebnisse Ihrer eigenen Kommunikationsarbeit und Sie sollten diese unbedingt an externe Dienstleister weiterreichen um in der Übersetzung die Sprachqualität zu erlangen, die Sie sich vorstellen.

Ein Styleguide definiert besonders drei Bereiche: Tonalität, Rechtschreibung und Formatierung. Welche Abkürzungen nutzen Sie? Werden Anglizismen genutzt? Wie formatieren Sie Zahlen? Soll in der Übersetzung eine direkte Ansprache erfolgen? Wird geduzt oder gesiezt? Verwenden Sie genderneutrale Sprache? Alles Informationen, die Sie im Styleguide für Ihren Übersetzungsdienstleister festlegen.

Erst einmal festgehalten, sorgen diese Informationen für Klarheit, Konsistenz und Zeitersparnis.

Experten-Tipp: Wenn Sie an einem vorgefertigten Template für einen Styleguide interessiert sind, um noch mehr Zeit zu sparen, wenden Sie sich einfach an unser Serviceteam.

4. SEO und Zeichenlimits

Elementar für eine gute Übersetzung ist auch die Berücksichtigung der SEO. Eine gut übersetzte Website nützt Ihrem Unternehmen nichts, wenn diese auf gängigen Suchmaschinen nicht gefunden wird. Je nach Land und Kultur unterscheiden sich Suchgewohnheiten erheblich. Da reicht die bloße Übersetzung oftmals nicht aus. Muttersprachliche Übersetzer sorgen für die Anpassung an die jeweilige Fremdsprache, und letztendlich für Ihre Sichtbarkeit als Unternehmen. Besonders im Bereich der Softwarelokalisierung spielen Zeichenlimits oft eine große Rolle, die berücksichtigt werden müssen. Denn sind übersetzte Komponenten einmal zu lang wird es schwierig, diese zu kürzen, wenn Ihnen nicht intern auch hochqualifizierte Muttersprachler zur Verfügung stehen. Hier hilft Excel weiter mit dem Character Count, für die schnelle Lösung zwischendurch. Für professionelle Projekte empfehlen wir aber die Verwendung eines integrierten Content-Management-Systems, das direkt von den Übersetzungsdienstleistern verwendet werden kann, wie beispielsweise WordPress.

Experten-Tipp: Berücksichtigen Sie im Design-Prozess von vornherein, dass unterschiedliche Sprachen auch unterschiedliche Wortlängen haben. Wenn Sie heute schon wissen, dass Sie eine Website beispielsweise auch auf Spanisch anbieten werden, behalten Sie im Hinterkopf, dass die “FAQ” (Frequently Asked Questions), die sowohl im Englischen als auch im Deutsch mit FAQ ausgedrückt werden, im Spanischen schnell zu “Preguntas frecuentes” werden und somit viel mehr Platz benötigen. Wortlängen variieren zwischen verschiedenen Sprachen immens. Wer von vornherein mit der längsten Sprache im Hinterkopf designt, spart sich später langwierige Korrekturläufe.

5. CAT Tools

Computer Aided Translation Tools, oder kurz CAT-Tools sind professionelle Software-Lösungen, mit denen hauptberufliche Linguisten und Dienstleister arbeiten. Die Tools helfen Linguisten bei der Erstellung von Übersetzungen und berücksichtigen unter anderem Wortwiederholungen. So werden diese nur einmal oder nur anteilig berechnet, sollten Begriffe mehrmals im zu übersetzenden Text vorkommen. Bei der Arbeit mit einem CAT-Tool wird ein sogenanntes Translation Memory File (kurz TMX) aufgebaut.

6. Bauen Sie Translation Memory Files auf

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich einzelne Informationen auf Ihrer Website oder auf anderen Kanälen wiederholen, ist groß. Stellen Sie sicher, dass Sie für die Übersetzung nicht doppelt bezahlen. In einem Translation Memory File (TMX) werden Daten aus Ihren bisherigen Übersetzungsprojekten gespeichert, und somit verhindert, dass der gleiche Inhalt doppelt übersetzt wird. Das sorgt für Kostenersparnisse, Effizienz und vor allem Konsistenz, da dieselben Inhalte immer gleich übersetzt werden. Mit jeder Übersetzung wächst Ihr TMX und Ihre effektiven Kosten für Übersetzungen sinken. Wenn Sie bereits ein TMX File aufgebaut haben, reichen Sie dieses an Ihre Dienstleister weiter, damit die Wortwiederholungen berücksichtigt werden können. Wenn Sie noch nie übersetzen lassen haben, bitten Sie Ihre Dienstleister ein TMX-File anzulegen und Wortwiederholungen im Angebot zu berücksichtigen.

Experten-Tipp: Die Daten in einem Translation Memory File sind sehr wertvoll gehören immer Ihnen. Egal ob Sie mit Freelancern, kleinen Boutique-Agenturen, oder den größten Dienstleistern arbeiten. Wenn Sie Ihre Dienstleister wechseln, bitten Sie um Aushändigung der Files an Sie. Grundsätzlich gilt: Es sind Ihre Daten - fordern Sie sie an und nutzen Sie sie.

Sie haben alle obenstehenden Punkte bereits umgesetzt und es hakt trotzdem?

Achten Sie darauf, dass Ihr Übersetzungsdienstleister die richtige Fachexpertise besitzt und Qualitätskontrollen durchführt. Achten Sie darauf, dass nicht “nur” Muttersprachler Ihre Texte übersetzen, sondern Fachexperten - Linguisten, die in Ihrem Fachbereich einschlägige Erfahrung sammeln konnten. Dadurch wird der bestmögliche Transport Ihrer Message in die Zielsprache sichergestellt. Nach einer Übersetzung sollte grundsätzlich eine Korrektur und abschließende Qualitätskontrolle erfolgen.

Für große Projekte und fortlaufenden Übersetzungsbedarf kann es sich lohnen interne Sprachspezialisten zu engagieren, die die Qualität der Übersetzungen fortlaufend beurteilen können, einen Styleguide in enger Absprache optimieren, das Glossar pflegen und als Ansprechpartner für die Übersetzungsdienstleister dienen können.

Experten-Tipp: Verwenden Sie individuell trainierte Maschinenübersetzung

Unternehmen, die in vielen Sprachen aktiv sind und einen hohen Bedarf an Übersetzungen haben, sollten überlegen Ihre Übersetzungsdaten zu nutzen und auf individuell trainierte Maschinenübersetzung zu wechseln. lengoo baut für seine Kunden nach und nach Translation Memory Files auf und kann bereits existierende Translation Memory Files im Übersetzungsprozess integrieren.

Ab einer relevanten Menge an gesammelten Daten in einem Fachbereich und einem Sprachpaar bilden diese Translation Memory Files die Grundlage für das Training individueller Engines für Maschinenübersetzung. Der Einsatz von kundenspezifisch trainierter Engines für Maschinenübersetzung kann die Kosten für Übersetzungen um bis zu 50% reduzieren und die Durchlaufzeit der Übersetzungsprojekte mehr als halbieren.


Bei lengoo werden die Texte von kundenspezifischen Engines übersetzt und anschließend von Fachübersetzern redigiert. Danach durchlaufen sie eine abschließende Qualitätskontrolle und werden dann ausgeliefert. Die hierbei gesammelten Daten werden automatisch wieder als Trainingsgrundlage für die Engines verwendet. So werden die Übersetzungen bei lengoo mit jedem übersetzten Wort noch besser und die effektiven Kosten sinken.