Die App Color Game macht Spaß und liefert zugleich wichtige Ergebnisse

Der Name der App Color Game hat auf den ersten Blick wenig mit Sprachen zu tun. Es handelt sich aber tatsächlich um ein Kommunikationsexperiment in Form eines Spiels.

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Dr. Olivier Morin, Leiter der Minds and Traditions Research Group am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena, wollte mehr darüber herausfinden, wie sich Sprachen entwickeln. Das normale Labor-Setting hält er bei diesem Thema aber nicht für angemessen und vor allem nicht für sehr hilfreich. Zeitbeschränkungen und genaue Instruktionen haben schließlich nichts mit natürlicher Sprachentwicklung zu tun. Er entwickelte also mit seinem Team die App Color Game, in der die Nutzer versuchen sollen nur durch Symbole und Farben – also ohne direkte Worte – zu kommunizieren. Konkret soll man den anderen Spieler eine Farbe erraten lassen und kann dies nur durch die Nutzung von 35 Symbolen tun. Dr. Morin erklärt, dass es so innerhalb der Gruppen zu sprachlichen Codes kommt, die sie spielerisch gemeinsam entwickeln und dann nutzen, um im Laufe der Zeit immer erfolgreicher zu kommunizieren.

“The Color Game is not a puzzle game, it’s not about decoding symbols. The only code that has to be broken is the language that you and the other players will invent.”, so Dr. Morin in seinem Erklärungsvideo zur App.

Vor der Veröffentlichung von Color Game sollten 647 Teilnehmer – diesmal in einer eher normalen Studie im traditionellen Setting – jeweils eins der 35 Symbole der App einer von 32 Farben zuordnen. Die Forscher wollen nun auf Basis dieser Zuordnungen herausfinden, wie sich die Nutzung von Symbolen im Laufe der Zeit verändert. Daher ist es auch möglich, so lang wie man möchte mit dem selben Partner zu “rätseln”. Je länger zwei Spieler miteinander kommunizieren, desto mehr kristallisiert sich eine individualisierte Sprachform heraus.

Wenn man also mal ganz ohne schlechtes Gewissen eine Gaming App nutzen möchte, ist Color Game vielleicht genau die richtige Wahl. Statt sich im Nachhinein über die vermeintlich verschwendete Zeit zu ärgern, kann man stolz darauf sein, etwas im Namen der Wissenschaft getan zu haben.