Die Begriffe und die dahinterstehenden Berufe des Übersetzers und des Dolmetschers werden oft synonym benutzt. Tatsächlich bestehen zwischen diesen Tätigkeiten aber erhebliche Unterschiede.

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Der Beruf des Übersetzers

Vor allem unterscheiden sich die beiden in der Form, in der übersetztes Material übermittelt wird. Übersetzer tun ihre Arbeit größtenteils schriftlich. Zu übersetzen gibt es alles Mögliche: Webseiten, Romane, Gebrauchsanweisungen, juristische Dokumente … den Aufgaben sind keine Grenzen gesetzt. Im Studium werden Übersetzer hierfür präzise ausgebildet und sie spezialisieren sich auch schon auf einen Fachbereich: Literaturübersetzer, Fachübersetzer und Terminologe sind hierbei die drei Hauptgebiete, denn es geht nicht nur darum, eine Sprache fließend zu beherrschen, sondern vor allem auch um die korrekte Nutzung von Fachbegriffen. Zudem müssen Übersetzer mit verschiedenen Sprachniveaus und kulturellen Standards umgehen können. Akademische Texte und Werbetexte zum Beispiel basieren auf völlig anderen Ausdrucksweisen. Umgangs- und Fachsprache sollten beide perfekt beherrscht werden, weshalb Übersetzer generell in ihre Muttersprachen übersetzen. Ein großer Vorteil ihrer Arbeit ist, dass sie sich von überall aus machen lässt. Wenn es also Ihr Traum ist, als Freelancer vom Coffee Shop aus zu arbeiten, haben Sie als Übersetzer gute Chancen.

Der Beruf des Dolmetschers

Dolmetscher arbeiten im Gegenteil zu Übersetzern hauptsächlich mündlich. Das Gehörte muss verstanden und in eine andere Sprache übersetzt werden – entweder simultan oder konsekutiv. Das Hörverstehen der Dolmetscher muss also perfekt sein, und im Studium wird vor allem das spontane Übersetzen geübt. Es gilt, Aussagen zu verstehen und diese in gewissem Maße sogar vorauszusagen, bevor sie komplett ausgesprochen werden. Spannend sind die englischen Begriffe für diese Berufe: “Translator” und “Interpreter” machen die Unterschiede im Ansatz deutlich.

Konsekutiv-, Simultan- und Flüsterdolmetschen

Der Übersetzer hat gegenüber dem Dolmetscher den Vorteil, dass er Begriffe jederzeit recherchieren kann und die produzierten Texte im Nachhinein immer noch editiert werden können. Bei Dolmetschern hingegen sind Korrekturen nur selten möglich. Dolmetscher arbeiten meist simultan, müssen also zum Beispiel bei Konferenzen oder im Fernsehen Aussagen direkt übersetzen während sie ausgesprochen werden. Hierbei sitzen sie in einer schallisolierten Kabine und hören das Gesprochene über Kopfhörer. Mit nur ein paar Sekunden zeitlicher Verschiebung wird das Übersetzte in ein Mikrofon gesprochen, was dann wiederum für das Zielpublikum über Kopfhörer zu hören ist. In größeren Eventlocations gibt es viele dieser Kabinen nebeneinander, um möglichst alle benötigten Muttersprachen der Anwesenden abdecken zu können. Wie schwer diese Arbeit ist, hängt vom Thema und auch von der Geschwindigkeit des Gesprochenen ab.
Ein Simultandolmetscher, dessen Stimme Sie vermutlich sogar kennen, ist Christofer La Bonté. Er arbeitete über 20 Jahre lang bei der Show “Wetten, dass…?”. Hierbei musste er sich unter anderem für jeden Schauspieler Listen mit all ihren Filmtiteln zurechtlegen, da Filme im Deutschen meist einen ganz anderen Titel haben als im Original. Außerdem übersetzte er nicht nur die Aussagen der Promis vom Englischen ins Deutsche, sondern auch die Fragen von Thomas Gottschalk in die andere Richtung. Für die prominenten Gäste wurde übrigens die gesamte Sendung übersetzt, La Bonté hatte daher nur während der Showeinlagen eine kurze Pause.

Beim konsekutiven Dolmetschen liegt die zeitliche Verschiebung bei etwa 10 Minuten. Während das Simultandolmetschen aus technischen Gründen die neueste Form des Dolmetschens ist, ist das Konsekutivdolmetschen die älteste. Hierbei machen Dolmetscher sich während eines Vortrags Notizen und präsentieren nach Abschluss der ursprünglichen Rede eine gekürzte Version dieser in der Zielsprache, um die Zeit der Veranstaltung nicht unnötig zu verlängern, und um die Zuhörer zu entlasten. Hierbei kommt es eher auf eine gut strukturierte, sinngemäße Übermittlung des Gesagten an, als auf eine akkurate Übersetzung. Vor allem im Rahmen von Pressekonferenzen wird auch immer noch das sogenannte Flüsterdolmetschen eingesetzt. Hierbei sitzt der Dolmetscher neben oder hinter der Person, die die Übersetzung benötigt und flüstert ihr zu, was gesprochen wird. Da das Verständnis auf diese Art schwierig ist, werden mittlerweile auch hier oft Kopfhörer benutzt – der Dolmetscher befindet sich jedoch weiterhin in der Nähe der Zielpersonen und flüstert in ein Mikrofon.

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Photo by Daiga Ellaby / Unsplash

Gebärdensprach- und Schriftdolmetschen

Eine weitere Art des Dolmetschens, bei der es aber auf eine ganz andere Ausbildung ankommt, ist die des Gebärdensprachdolmetschens. Hier wird simultan von Lautsprachen in eine Gebärdensprache (seltener auch umgekehrt) übersetzt. Da es keine universelle Gebärdensprache gibt, müssen auch hier verschiedene Dolmetscher eingesetzt werden, um alle benötigten Sprachen abzudecken.
Die letzte bekannte Art ist das Schriftdolmetschen. Hier wird von einer Lautsprache in eine geschriebene Sprache übersetzt, wobei die Ausgangs- und Zielsprache meist sogar dieselbe ist. Wenn hörgeschädigte Personen die Gebärdensprache (noch) nicht beherrschen, ist dies die beste Möglichkeit ihnen die Teilnahme an einer Veranstaltung zu ermöglichen. Dies läuft generell über einen Laptop, der je nach Anzahl der Zielpersonen auch mit einem Beamer verbunden werden kann. Dolmetscher werden hier vor allem im Zehnfingersystem ausgebildet, um möglichst schnell tippen zu können. Außerdem werden Programme genutzt, die die Wörter automatisch vervollständigen (wobei natürlich ab und an Fehler auftreten, die dann schnell korrigiert werden müssen). Es gibt auch Arten der Maschinenstenografie, in denen spezielle Tastaturen eingesetzt werden. Hier lassen sich mehrere Tasten gleichzeitig drücken, sodass ganze Silben auf einmal geschrieben werden können. Die Ausbildung hierfür ist allerdings teuer und dauert mindestens 2 Jahre. Fachkräfte sind oft schwer zu finden – laut Schätzungen gibt es in Deutschland in diesem Bereich nur 30 bis 80 ausgebildete Dolmetscher, je nachdem wie hoch die Ansprüche an die Berufserfahrung sind. Daher gibt es viele Laien, die zum Beispiel in Vorlesungen hörgeschädigten Studierenden assistieren und für diese das Gesprochene mittippen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Arbeit von Dolmetschern und Übersetzern immens unterscheidet, und dass es in beiden Bereichen zudem sehr unterschiedliche Spezialgebiete gibt. Gemeinsamkeiten sind, dass in beiden Fällen aus einer Fremdsprache in die Muttersprache übersetzt wird, und dass beide Berufsgruppen gut ausgebildet sind. Bei Übersetzern geht es im Studium um die detailgetreue Übermittlung in eine andere Sprache sowie einen anderen Kulturbereich. Dolmetscher hingegen werden darauf trainiert, Gesprochenes schnell zu verstehen und den Inhalt selbst sinnvoll zu strukturieren und zu kürzen. Sie müssen schnell und unter Druck arbeiten können, während Übersetzer Zeit für Recherche und Detailarbeit haben. Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 9.000 Übersetzer und Dolmetscher, die diese Berufe als ihre Haupttätigkeit ausüben – für Nachwuchs ist also noch Platz!