Die deutsche Sprache erlebt  nach dem massiven Rückgang der Popularität im 20. Jahrhundert aktuell ein regelrechtes Comeback.

Nachdem das Deutsche nach dem Ersten, spätestens aber nach dem Zweiten Weltkrieg an Ansehen verlor, wird die Sprache heutzutage mit blühender Wirtschaft und Erfolg in Verbindung gebracht. Die Anzahl an Sprechern steigt seit Jahren kontinuierlich an. Wer Deutsch lernt, eignet sich fachliche Kompetenzen an und eröffnet sich dadurch neue Chancen. Noch nie galt das Deutsche als eine so nützliche Sprache, so scheint es.

Hinzu kommt der Faktor Migration. Dadurch widmete man dem Spracherwerb, gerade in den letzten Jahren, mehr Aufmerksamkeit. Auch Goethe-Institute auf der ganzen Welt verzeichnen einen Zuwachs von 20-30 %. Aktuell gibt es etwa 104 Millionen Muttersprachler, weiterhin fast noch einmal genauso viele Sprecher und weitere 16 Millionen Menschen lernen die Sprache momentan. Auch wenn Englisch die unumstrittene Lingua Franca ist und bleiben wird, die deutsche Sprache gewinnt unumstritten an Bedeutung.

Wachsender Wortschatz

Der deutsche Wortschatz ist vielfältig und umfasst so viele Wörter wie kaum eine andere Sprache. Der aktuelle Korpus besteht aus ca. 300.000 bis 500.000 Wörtern. Das ist ein Drittel mehr als vor 100 Jahren. Deutsch ist eine wachsende, dynamische Sprache. Täglich erweitert um neue Wörter, beispielsweise durch Zusammensetzung oder auch Fremdsprachen, profitiert die Sprache von einem konstanten Wachstum. Man denke nur an die allseits beliebten Anglizismen. Somit gab es Wörter wie “Energieeffizienz” oder “googlen” vor ein paar Jahren noch nicht, obwohl sie heute die meisten Menschen ohne Probleme verstehen dürften. Deutsch ist eine komplexe Sprache, die nicht nur durch Tradition, sondern auch Geschichte geprägt ist. Sie ist präzise und exakt, und nicht weniger abwechslungsreich in Poesie und Literatur.

Deutsch verschwindet als Wissenschaftssprache

Einst weit verbreitet in der Wissenschaft, hat das Deutsche längst seinen Status als Wissenschaftssprache verloren. In den Naturwissenschaften wird heute nämlich fast ausschließlich auf Englisch kommuniziert. Diesem Trend folgen auch die Geisteswissenschaften. Der Grund für den Bedeutungsverlust der deutschen Sprache ist der internationale Diskurs. Wer an ihm teilnehmen möchte, um an die notwendige Aufmerksamkeit für seine Forschungsarbeiten zu gelangen, muss dies auf Englisch tun. Dabei sah das im 19. und 20. Jahrhundert noch ganz anders aus. Ein großer Teil der naturwissenschaftlichen Forschung kam aus Deutschland und Deutsch war eine der primären Sprachen, in der publiziert wurde. Heute dagegen werden mehr als 90 % aller Forschungsarbeiten auf Englisch veröffentlicht.

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Ein großer Teil der wissenschaftlichen Forschung wurde im 19. und 20. Jahrhundert auf Deutsch veröffentlicht.

Die deutsche Sprache in der Geschichte

Einer der größten Gründe für die Unpopularität der Sprache im 20. Jahrhundert waren die beiden Weltkriege in Zusammenhang mit den Gräueltaten des NS-Regimes, die viele Menschen mit der Sprache verbanden. Auch schämten sich viele Deutsche für die eigene Sprache. Die Politik hielt sich lange Zeit zurück und förderte die Sprache nicht aktiv. 1973 wäre es möglich gewesen, Deutsch als eine der offiziellen Sprachen der UN anerkennen zu lassen, was aber von keiner der damals zwei deutschen Seiten beantragt wurde. Ähnliches passierte in der Europäischen Union. Zwar setzte sich der damalige Kanzler Helmut Kohl stärker für die Präsenz der deutschen Sprache in der EU ein, es geschah jedoch nur wenig. Zwar wurde das Deutsche als eine der offiziellen Arbeitssprachen in der Europäischen Union erklärt, praktisch sprechen kann sie jedoch fast niemand.

Lange Zeit dauerte es, bis die deutsche Sprache wieder mit Kultur in Verbindung gebracht wurde. Aber auch heutzutage wird Deutsch eher als Mittel zum Zweck betrachtet und auf den Deutschunterricht in der Schule reduziert. Literarisch und kulturell erhält die deutsche Sprache unverändert wenig Förderung.

Wirtschaft und Sprache

Viele Sprachwissenschaftler sehen eine direkte Verbindung zwischen einer Sprache und der Wirtschaft des Landes. Es ist deshalb interessant, sich das Bruttoinlandsprodukt, welches mit der Sprache verbunden wird, anzuschauen. Die deutsche Sprache liegt hier nach Englisch, Chinesisch und Spanisch auf dem vierten Platz. Das ökonomische Potential stellt also einen großen Faktor dafür dar, ob das Erlernen der Sprache für Menschen attraktiv ist. Viele assoziieren mit Sprache Möglichkeiten. Das kann ein Studium, die Arbeit oder ein Umzug in das Land sein.

Auch in der Wirtschaft wird die deutsche Sprache immer wichtiger. Zwar werden die meisten Verträge in Englisch abgeschlossen,  doch der deutsche Markt in Österreich, der Schweiz und Deutschland wird immer attraktiver. Wer in diese nationalen Märkte vordringen möchte, hat mehr Erfolg, wenn er die Muttersprache des Landes beherrscht. Besonders beim Networking und Akquirieren von neuen Kunden macht das einen riesen Unterschied und bietet immense Vorteile. Sichere Sprachfähigkeiten scheinen hier der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg.

Fördermaßnahmen im Ausland

Für die weitere Verbreitung der deutschen Sprache setzt sich unter anderem das Goethe-Institut, die Zentralstelle für Auslandsschulwesen und der Deutsche Akademische Außendienst (DAAD) ein. 2008 wurde von diesen Institutionen das Programm “Schulen-Partner für die Zukunft” ins Leben gerufen. Das Projekt, welches unter anderem auch durch das Auswärtige Amt gefördert wird, vernetzt weltweit mehr als 1.800 Schulen, an denen die deutsche Sprache einen besonders hohen Stellenwert hat. In diesen sogenannten PASCH-Schulen werden nicht nur Lehrer aus- und fortgebildet, sondern ganze Sprachabteilungen aufgebaut. Die meisten dieser Schulen finden sich in China, Indien, Indonesien und Brasilien.

Einsprachigkeit ist immer eine kognitive Einschränkung. Deshalb sollte Mehrsprachigkeit gefördert werden, egal ob dies die deutsche Sprache oder eine andere betrifft. Deutsch ist eine wichtige Sprache der Kultur und Kunst geworden und das Erlernen der Sprache scheint so attraktiv wie nie. Damit dies so bleibt, braucht es eine aktivere Sprachpolitik. Das grundsätzliche Problem scheint zu sein, dass sich niemand wirklich sicher ist, in welchen Forschungsbereich die Förderung fällt, da die Sprachförderung sowohl die Linguistik als auch die Politikwissenschaft betrifft. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in den nächsten Jahre entwickelt.