Emojis sind längst mehr als ein kulturelles Phänomen. Sie sind eine aufregende Evolution von Sprache, eine Erweiterung der Ausdrucksmöglichkeit und für manch einen ein linguistisches Schwerverbrechen.

Es ist unumstritten, dass Emojis die Weise wie wir kommunizieren grundlegend verändert haben. Der einst hippe Habitus der “Jugend” hat längst Einzug in die Whatsappgruppen Erwachsener gefunden. Sie sind zu einer Selbstverständlichkeit geworden und inzwischen treffen sich ganze Studentengruppen in Workshops, um die Deutung von Emojis voranzutreiben. Denn die kleinen Piktogramme sind überall vertreten: von privaten Nachrichten unter Freunden bis zur großen Social-Media-Kampagnen von bedeutenden Unternehmen.

Entwickelt in Japan 1999, unterstützen sie heute alle großen Onlineplattformen. Twitter, Facebook und Instagram sind mittlerweile unvorstellbar ohne die Nutzung von Emojis, die zu einem besonders wichtigen Tool in Messengern geworden sind.

Kulturelle Fettnäpfchen

Trotz ihrer harmlosen Erscheinung bringt die Nutzung von Emojis einige potenzielle Fettnäpfchen mit sich. So variiert ihre Bedeutung, trotz universellem Design, stark zwischen verschiedenen Kulturen. Was unsere Mitmenschen hier als freundlich empfinden, kann im Ausland schnell als Beleidigung empfunden werden. Ähnlich wie bei Sprachen ist hier kulturelles Taktgefühl gefragt. Nur ein Beispiel ist das Auberginen Emoji, welches höchst unterschiedliche Assoziationen zwischen jungen und älteren Menschen hervorrufen dürfte. Genauso wird das Emoji mit der winkenden Hand, gegensätzlich zu Deutschland, in China als unhöflich interpretiert. Aber auch der scheinbar unverfängliche Daumen-Hoch wird in Griechenland und im Nahen Osten zum Problem. Eine weitere Problematik ist, dass Emojis auf verschiedenen Endgeräten unterschiedlich dargestellt werden. Es scheint nicht einfach die Sprache der Emoji zu beherrschen. Doch stellen Emojis überhaupt eine eigene Sprache dar?

Die linguistische Perspektive

Die zunehmend elektronische Kommunikation und die wachsende Popularität von Social Media hat die Weise wie wir miteinander kommunizieren verändert. Emojis gehören 20 Jahre nach ihrer Erfindung zu unserem festen Sprachgebrauch. Um aus linguistischer Perspektive als eigene Sprache anerkannt zu werden, müssen Emojis jedoch die gleichen Charakteristika besitzen wie andere Kommunikationssysteme.

Ganz ähnlich wie Gesten in Gesprächen werden Emojis in geschriebenem Text verwendet, um Bedeutung zu ergänzen oder zu verdeutlichen. Sie liefern, wie die Bewegung unserer Hände, wichtige Informationen für den Empfänger und besitzen damit die Kraft die Aussage eines Satzes stark zu verändern. Das ist der Grund, warum menschliche Sprache selten auf den Ton allein reduziert ist.

In der Linguistik nennt man dieses Phänomen Multimodalität. Bis jetzt galt, dass geschriebener Text diese Multimodalität, bzw. die Übermittlung von non-verbalen Informationen, unmöglich macht. Emojis besitzen das Potential diese Annahme zu ändern. Sie bilden somit zumindest eine Zusatzkomponente von Sprache. Dennoch fehlt den kleinen bunten Zeichnungen der wichtigste Baustein, um als eigene Sprache zu gelten: Grammatik.

Ein grammatikalisches System ist ein Satz von Beschränkungen, der bestimmt, wie die Bedeutung einer Äußerung kohärent verpackt wird. Natürliche Sprachsysteme haben verschiedene Eigenschaften, die die einzelnen Systeme voneinander unterscheiden, wie die Existenz verschiedener Einheiten wie Verb und Substantiv, die wiederum unterschiedliche Rollen in einem Satz spielen. Außerdem unterscheidet sich Grammatik von Bedeutung, was der entscheidende Grund dafür ist, dass aktive und passive Sätze ungefähr die gleiche Bedeutung haben, obwohl sie sich in den grammatikalischen Strukturen unterscheiden. Emojis hingegen sind nur durch einfache Regeln wie ihrer Bedeutung reguliert, und besitzen keine weitere Beschränkungen, wie wir es aus anderen Sprachen gewohnt sind. Somit haben sie, zumindest aus sprachwissenschaftlicher Sicht, auch auf Dauer nicht das Potential eine eigene Sprache zu bilden.

Aufbruch in die Businesswelt

Auch wenn wir in naher Zukunft nicht Emoji sprechen werden, sind sie zweifelsfrei Teil unserer Kommunikation geworden und machen damit auch vor der Arbeitswelt nicht halt. Der 2019 veröffentlichte Emoji-Report befasste sich aus diesem Grund erstmals mit ihrer Verwendung am Arbeitsplatz. Mit 61 % der Befragten gab ein Großteil an, dass die Nutzung von Emojis im Arbeitsalltag die Kommunikation, speziell von Emotionen und Gefühlen, erleichtern würde. Jedoch zögern mit 72 % ein noch größerer Teil vor der Nutzung, aus Angst als unprofessionell betrachtet werden.

Dabei bieten Emojis viele Vorteile. Sie unterhalten das Publikum in Social-Media-Kanälen, verdeutlichen Botschaften und machen das Unternehmen für die Zielgruppe nahbarer. Denn durch Emojis sprechen Unternehmen die gleichen Sprache wie ihre Kunden. Außerdem vergrößern sie nachweislich die Reichweite auf Social-Media-Plattformen, sorgen für mehr Abwechslung und verknüpfen das Unternehmen, ohne großen Aufwand, mit positiven Assoziationen. Die Ablehnung der Nutzung von Emojis, und damit die Ignoranz der von den Kunden verwendeten Sprache, birgt die Gefahr, aus der Zeit gefallen zu wirken und verhindert in der Folge wichtige Kommunikation.

Qualität vor Quantität

Um bei der Verwendung von Emojis dennoch auf der sicheren Seite zu sein, sollten einige Punkte beachtet werden.

Es ist wichtig die Bedeutung von Emojis genauestens abzuklären, also etwaige Interpretationen eines Emojis abzusprechen, um nicht unethisch oder beleidigend zu wirken. Weiterhin gilt auch hier Qualität vor Quantität: Zu viele Emojis lenken von der Hauptaussage ab. Auch die Einheit mit der Firmenkommunikation sollte gewährleistet werden, indem getestet wird, ob das Piktogramm in der Unternehmenskommunikation funktioniert. Es macht wenig Sinn die penibel geplante Unternehmenskommunikation durch das zwanghafte Nutzen von Emojis zu ruinieren. Außerdem sollte Durcheinander vermieden und auf keinen Fall ausschlaggebende Worte durch die Piktogramme ersetzt werden. Der beste Tipp ist, die Piktogramme instinktiv wie im privaten Gebrauch zu nutzen, und nicht zu erzwingen, um die Glaubhaftigkeit der Unternehmenskommunikation nicht zu gefährden.

Ob geliebt oder gehasst, Emojis sind längst Teil unserer täglichen Kommunikation geworden und haben mittlerweile auch im Businessgebrauch Einzug gefunden, wo sie bei richtiger Nutzung eine Reihe Vorteile mit sich bringen. Auch wenn uns Emojis in der näheren Zukunft nicht im Duden begegnen dürften, sind sie ein Teil unserer Sprache, Teil des Lebens von Kunden und damit ein Teil von Unternehmen geworden.