Die Coronakrise hat die Geschäftswelt verändert. Nicht nur befinden sich momentan (und in Zukunft) mehr Arbeitnehmer im Homeoffice als jemals zuvor, auch finanzielle Auswirkungen der Krise werden seit Monaten tagtäglich diskutiert. Die Wirtschaft wurde negativ beeinflusst, viele Unternehmen mussten Kurzarbeit anmelden, andere ihre Teams drastisch verkleinern. Weiterhin gibt es viel Unsicherheit und offene Fragen.

Für viele Unternehmen steht vor allem diese Frage im Raum: Wie kommt mein Unternehmen gestärkt aus dieser Krise - und wie werden wir resistenter für jede zukünftige Krise? lengoo hat genau dieses Thema in einem 4-stündigen Livestream-Event am Mittwoch den 01. Juli 2020 angesprochen.

Von 14 bis 18 Uhr waren vier spannende Gäste - Karina Buschsieweke von Lana Labs, Matthias Kuhn von ultimate.ai, Christopher Kränzler von lengoo und Dr. Thomas Ramge vom Weizenbaum Institut für die vernetzte Gesellschaft - zu Gast im Livestream.

Karina Buschsieweke, Co-Founder und CEO von Lana Labs, im Gespräch mit dem Host Jonathan Wuermeling, Head of Communications bei lengoo.


Nach der Eröffnung des Events durch Jonathan Wuermeling, lengoos Head of Communications, hielt Karina Buschsieweke, Mitgründerin und CEO des Process Mining Unternehmens Lana Labs, den ersten Vortrag des Tages. In ihrer Keynote Process Mining und AI im Purchasing - Das Potential einer vernetzten und sich selbst intelligent optimierenden Supply Chain erläutert sie wie Unternehmen mithilfe von Process Mining Geld und Ressourcen sparen können. Karina stammt selbst aus einer Unternehmerfamilie, die bereits seit über 40 Jahren Massivholzmöbel fertigt. Noch während ihres Masterstudiums gründete sie ihr eigenes, digital aufgestelltes, Möbelunternehmen MBzwo. Inzwischen widmet sie sich in ihrem Unternehmen Lana Labs, gemeinsam mit 40 Mitarbeiter*Innen in Berlin, dem Problem der Ineffizienz. In ihrer Keynote zitiert Karina eine Studie von IBM, laut welcher jedes Jahr 50 Billionen US Dollar weltweit in verschiedensten Industrien durch Ineffizienz verschwendet werden, und erklärt, wie Unternehmen dies mit Hilfe von AI - spezifisch mit Unterstützung des Process Mining - verhindern können.

Christoper Kränzler, Co-Founder und CEO von lengoo, während der Q&A mit Jonathan Wuermeling.


Als nächstes betrat die Bühne Christopher Kränzler, Mitgründer und CEO von lengoo, der mit seiner Keynote Fachübersetzungen mit AI - Moving an Industry into the Age of AI Sparpotenziale im Übersetzungsmarkt adressierte. Er erklärt in seiner Keynote, dass AIs am besten darin sind, eine ganz konkrete Aufgabe zu lösen. Keine künstliche Intelligenz ist ein Alleskönner - je generischer die Anwendung, umso geringer ist die Genauigkeit, wie man es im Falle der maschinellen Übersetzung zum Beispiel bei herkömmlichen Online-Übersetzern beobachten kann. Stattdessen werden bei lengoo für jeden Kunden maßgeschneiderte Neural Translation Networks entwickelt.

Matthias Kuhn, Account Executive von Ultimate.ai, während seiner Keynote.


Der finale Speaker des AI DAY war Matthias Kuhn, Account Executive von Ultimate.ai. Als These sowie als Titel seiner Keynote brachte er folgendes Thema mit: Deutschlands Digitalisierung wird in das Jahr 2022 beschleunigt - Warum viele KI-Projekte jedoch scheitern werden. Das Team des in Finnland entstandenen Unternehmens unterstützt mir ihrer AI den Kundenservice von Enterprises wie Finnair. Mit Automatisierung und stetigen Analysen lässt sich hier dank einer Conversational AI die User Experience stark verbessern. Schließlich verweilt kein Kunde auf der Suche nach einer Lösung für ein Problem gern 12 Minuten in einer zutiefst ineffizienten Warteschleife.

In seiner These vom Scheitern bezieht Matthias sich auf die oft falschen Erwartungen an künstliche Intelligenz. Wie die Zuschauer am AI DAY in allen Keynotes hören konnten sind AIs hochspezialisiert - keine AI kann sich allein um verschiedenste Probleme kümmern. Zudem bestehen weiterhin Sorgen um die vermeintlichen Gefahren der AI, die zum aktuellen Zeitpunkt ebenso unbegründet sind wie die Annahme, dass eine AI ganz allein sämtliche Prozesse eines Unternehmens optimieren könnte. Wer lernt, die gewinnbringenden Potenziale von AIs richtig einzuschätzen, wird schnell die für sein Unternehmen richtigen externen Partner finden, und von der Anwendung künstlicher Intelligenzen profitieren.

Die abschließende Panel Discussion mit (von links) Christoper Kränzler, Katharina Buschsieweke, Jonathan Wuermeling und Dr. Thomas Ramge.

In der abschließenden Panel Discussion ergänzte Sachbuchautor und Research Fellow des Weizenbaum Instituts Dr. Thomas Ramge die Gesprächsrunde. Diskutiert wurde hier unter anderem ob die deutsche “Schock-Digitalisierung” als positive Folge der Corona-Krise zu betrachten sei. So erläutert Karina Buschsieweke, dass der deutsche Mittelstand lange erfolgreich wirtschaften konnte, ohne sich zu digitalisieren. Veränderung ist in gewissem Maße immer anstrengend, aber die deutsche Unternehmenswelt muss nun ein besseres Verständnis für Wandel und Fortschritt entwickeln, um nicht von anderen Ländern abgehängt zu werden. Hinzu kommt die Debatte über den - selbstverständlich wichtigen - Datenschutz, die in Deutschland oft mehr lähmt als hilft. Anstatt sich damit zu beschäftigen was alles schiefgehen könnte, wird es Zeit Erfahrungswerte zu sammeln und die digitale Transformation zu beginnen, bevor nach den USA und China noch weitere Länder an Deutschland vorbeiziehen, sagt Christopher Kränzler. Auch Karina Buschsieweke erklärt, dass Daten selbstverständlich vertraulich behandelt, verschlüsselt, und teils gar nicht ausgewertet werden. “Dieses Horrorszenario [das Szenario der vermeintlichen “Killerroboter”] ist etwas, das wir in den wirtschaftlichen Anwendungen überhaupt nicht betrachten”, ergänzt sie, und greift so auch das im Laufe des Nachmittages von Matthias Kuhn angesprochene Thema wieder auf: Wirtschaftliche Anwendungen von AI haben nichts mit Hollywood-Phantasien zu tun.

Dr. Thomas Ramge ergänzte die Runde für die finale Panel Discussion.

Europa hätte dank der vorhandenen Forschungslandschaft die Chance der kompetitivste Raum für datengetriebene Innovation zu werden, erwähnt in der Panel Discussion Dr. Thomas Ramge, der zum Thema Daten und Digitalisierung bereits eine Reihe Sachbücher veröffentlicht hat. Man müsse einen Entwurf für das Teilen von Daten skizzieren. Christopher Kränzler bestätigt abschließend, dass Unternehmen oft nicht wissen, auf was für einem Schatz an Daten sie tatsächlich sitzen. Unternehmen benötigen mehr Wissen über die Möglichkeiten die künstliche Intelligenz ihnen bieten kann, um die ersten Schritte in die Richtung von externen AI Anbietern zu machen, und um schlussendlich finanziell stabiler und somit krisensicherer zu werden.

Auf dem AI DAY wurden den Zuschauern genau solche Möglichkeiten vorgestellt.

Die Aufzeichnung des gesamten Events können Sie sich jederzeit ansehen:

Der gesamte AI DAY Livestream vom 01. Juli 2020.